Music Review | verfasst 27.04.2017
Jan Jelinek
Loop-Finding-Jazz-Records
Faitiche, 2017
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Jan Jelinek - Loop-Finding-Jazz-Records

Der alte Griesgram Adorno hatte bekanntlich ein Faible für Schönbergsche Zwölftonmusik und ein gerüttelt Maß an Abscheu dem Jazz gegenüber aufzufahren. Was sein Problem war? Die ewige Wiederkehr des Immergleichen, verpackt in angebliche Virtuosität und strukturelle Volten. Kulturindustrieller Quatsch entlang der Dialektik der Aufklärung performt. Brrr, Jazz – Untergang des Abendlands! Jan Jelineks bahnbrechendes Album »Loop-Finding-Jazz-Records« aus dem Jahr 2001 würde dem Frankfurter Pennäler so gesehen entweder richtig gut oder eben so gar nicht reinfahren: Auf den acht Tracks wurde die Wiederholung zum absoluten Selbstzweck. Auch, wenn Jazz dabei nur ums Eck hörbar wurde. Da sind die lauwarmen Harmonien, die abgehangenen Rhythmen und leises Knistern, das über der Soundsuppe schwebt. Verschliffen-verkleisterter Musikmatsch, wie ihn Oval und Wolfgang Voigt mit seinem Gas-Projekt vorgemacht hatten und welcher doch von der weitgehend ultrasterilen Clicks’n’Cuts-Bewegung auf die Reservebank der Avantgarde verwiesen wurde. Mit »Loop-Finding-Jazz-Records« hat Jelinek ein Gegenprogramm zu deren ästhetischen Strukturstrenge entworfen, das anders als so viel Konzeptmusik das Herz weit öffnete und ihm ebenso langsam wie nachdrücklich Serotoninschübe verschaffte. Die Schönheit der Radikalität glänzte nie dumpfer als auf diesen acht Tracks. Was Jelinek allerdings immer von vielen anderen ähnlich gelagerten Acts unterschied, war sein Humor. Es ist ein hintergründer, wie auch »Loop-Finding-Jazz-Records« ein hintergründiges Album ist. Ambient im besten Sinne, der perfekte Workflowoptimierungssoundtrack obendrein. Klingt kulturindustriell, ist es aber gerade deswegen nicht. Und obwohl das lang erwartete Reissue mit zwei Bonustracks (»Moiré (Guitar & Horns)« und »Poren«) dem Immergleichen mehr Gleiches hinzufügt, heißt das eben nichts Schlechtes. Sondern es ist umso mehr zu begrüßen. Denn was Adorno schon nicht beim Jazz verstand, das gilt umso mehr für diese große Platte: Manche künstlerische Revolutionen tanzen eben auf der Stelle. Die von »Loop-Finding-Jazz-Records« ist eben so einladend, weil sie sich selbst der Avantgarde mit subtilem Humor versperrte.

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