Eklektisch, das Gähnwort in musikjournalistischen Texten über elektronische Tanzmusik. Aber Schreibende kommen oft auch wirklich nur schwer darum herum. Überall diversifizierten sich DJ-Sets dermaßen, dass die vielbeschworene Bandbreite an Genres keine Ausnahme mehr darstellte, sondern zum Standard wurde. Nicht so bei Mary Yuzovskaya. »Mein Geschmack ist sehr spezifisch und super schmal. Ich bin überhaupt nicht eklektisch«, beschreibt sie ihre musikalischen Vorlieben.
Wer sich durch die Produktionen und Sets der Amerikanerin hört, muss ihr Recht geben. Yuzovskaya produziert und spielt hypnotischen, pulsierenden Techno, der die Moden der letzten Jahre so selbstsicher links liegen lässt wie ein passionierter Altraver die schnelle Brille. Ihr Label, auf dem sie ihre Produktionen veröffentlicht, taufte sie bezeichnenderweise Monday Off. Kurz auftauchen und instagramtauglich abzappeln ist nicht, Feiern begreift Yuzovskaya als Widmung, nicht als Hype.
Geradlinig verlaufen
Dass sie im besten Sinne eine DJ der alten Schule ist, belegt auch ihr Karriereweg: Seit den Zweitausendern aktiv, verdiente sie sich ihre Sporen als Vinyl-only-DJ in Berlin und New York, wo sie in den frühen Zehnerjahren als Resident der namhaften Veranstaltungsreihe »Unter« agierte und im inzwischen geschlossenen Brooklyner Plattenladen Halcyon arbeitete. 2020 zog sie zurück in die deutsche Hauptstadt und bespielt seitdem die üblichen verdächtigen Clubs der Beletage des Underground Techno – unbeirrbar, geradeheraus und doch mit Raum für Fantasie.
Knapp zwei Dekaden lang hatte Mary Yuzovskaya also Zeit, ihren eigenen Sound aus Techno, abstrakter Psychedelik und Anflügen von Industrial herauszuschälen. Ihre Sets zeigen stets den Weg, führen dabei aber ab von ausgetretenen Pfaden, ohne effektheischende Überraschungsmomente bemühen zu müssen. Die Kick gibt Halt in Momenten der Desorientierung, den die gibt es auch in einem Sound zu genüge, der super schmal ist.




