Hulk Hodn / Hodini – Gekränkte Hip-Hop-Heads

19.10.2015
Manch einer dürfte sich gewundert haben, als er in den HHV.de Top 100 den Namen Hulk Hodn, bzw. sein Alter-Ego Hodini, sowohl in der HipHop- als auch der House-Kategorie wiederfand. Wir haben mit ihm über sein neues Faible gesprochen.

Dass HipHop und House perfekt miteinander harmonieren und sich ein Producer nicht zwingend auf ein Genre festlegen muss, haben schon Kenny Dope DJ Spinna oder Andrés bewiesen. Dieser Genre-Brückenschlag erfreut sich zur Zeit auch in hiesigen Gefilden gestiegener Popularität, nicht zuletzt auch Dank Künstlern wie Max Graef, Glenn Astro oder Cuthead die auf Ihren exzellenten und zurecht gefeierten Releases souverän zwischen den Grooves changieren. Nichtsdestotrotz wird sich manch einer jüngst verwundert die Augen gerieben haben, als er in den HHV.de Top 100 den Namen Hulk Hodn, bzw. sein Alter-Ego Hodini, sowohl in der HipHop- als auch der House-Kategorie wiederfand. Das überrascht und ist spannend zugleich, schließlich war er einer der treibenden Akteure für die eher traditionell geprägte Neo-Boombap-Welle im Deutschrap der letzten zehn Jahre. Wir sprachen mit dem sympathischen Kölner über seine Liebe zur House-Musik und seine aktuelle 12” auf Money $ex Records.

hhv.demag: Erzähl doch mal, wie es zu deiner Liebe zum House kam?
Hodini: Das kam ehrlich gesagt erst über Twit One und Memyselfandi, die bei Radio LoveLove verschiedene Sounds gespielt haben. Unter anderem auch housige Sachen. Und übers Sample diggen bin ich auf Disco, Afro Beat und folgerichtig auch auf die ersten House-Platten gestoßen. Das war anfangs z. B. Andrés. Der kommt ja auch aus der HipHop-Ecke, das fand ich halt geil. Das ist so, als hätte ich eine Tür zu einem Raum aufgemacht, der die ganze Zeit da war, in den ich aber nie gegangen bin. Das finde ich super interessant und das hat auch etwas richtig erquickendes. Und was mir als Technik-Nerd besonders gefällt: die ersten House-Producer benutzten ja auch alle die MPC, so wie wir.

Wie entstand dann der Kontakt zu Money $ex Records?
Hodini: Hier in Köln habe ich Damiano von Erckert kennen gelernt und über ihn wiederum “Max Graef”, der seinerzeit in der Stadt spielte. Wir haben uns direkt verstanden und dann kam eins zum anderen. Das Label betreibt Max Graef ja gemeinsam mit Glenn Astro und Delfonic von OYE Records in Berlin. Die haben mich dann gefragt, ob ich Bock hätte etwas zu veröffentlichen. Was ich cool an den Jungs finde: sie scheißen halt auf alles. Da gibt es keine großen Labelstrukturen. Es wird veröffentlicht, worauf sie Bock haben. Das hat mich von der Herangehensweise auch an den Kram erinnert, den wir in Köln so machen. Und da kommt auch sicher noch das eine oder andere von mir. Ich soll einfach wieder etwas schicken, wenn ich neues Material habe.

Hattest du auch vor dem Kontakt zu Max Graef schon im House-Genre experimentiert?
Hodini: Ja, das habe ich schon öfter mal gemacht. Ich hab zum Beispiel auf dem Box aus Holz-Sampler einen Song beigesteuert, der locker schon sechs Jahre alt ist. Das habe ich eher so im stillen Kämmerlein gemacht, aber nicht öffentlich. Es gab schon Bedenken, wie die Leute darauf reagieren, aber ich habe mittlerweile das Gefühl, dass alles ein wenig verschmilzt und Leute aus dem HipHop-Bereich auch Bock auf die House-Sachen haben. Eine gute Entwicklung!

Auf deinen House-Releases trittst du aber als Hodini in Erscheinung. Um Missverständnisse zu vermeiden?
Hodini: Ja, richtig. Ich habe das auch in letzter Zeit gemerkt, wenn man als Hulk Hodn auf dem Flyer steht und dann House spielt, sind gleich ein paar HipHop-Heads gekränkt.

»Wenn man als Hulk Hodn auf dem Flyer steht und dann House spielt, sind gleich ein paar HipHop-Heads gekränkt.« ( Hodini)

Da ist das schon besser, wenn man das vom Namen her trennt. Vor ein paar Jahren, als ich eher Funk und Soul gespielt habe, war das ähnlich. Aber ich glaube, mit der Zeit muss ich die Leute ein bisschen erziehen. Das ist aber auch von Stadt zu Stadt unterschiedlich. In Berlin sind die Leute daran gewöhnt, dass es abwechslungsreicher zugeht. In kleineren Städten oder HipHop-Hochburgen wie Hamburg oder Stuttgart hingegen, sind die Leute nicht so bereit dafür. Da ist mir das schon häufiger passiert.

Hast du die Songs für die aktuelle Platte speziell dafür produziert, oder gab es einen Ordner mit Tracks, die du vorher nicht releasen konntest oder wolltest!?
Hodini: Nein, das ist schon alles neues Material speziell für die Money-$ex-Serie. Ich habe ja auch Glenn Astro auf zwei Songs mit drauf, da haben wir uns die Sachen hin und her geschickt. Das ging so schnell, das war nach zwei Monaten im Kasten.

Verfolgst du bei den House-Songs eine andere Herangehensweise beim Produzieren?
Hodini: Im Prinzip unterscheidet sich nur, dass ich mit einer schnelleren Geschwindigkeit anfange. Ich arbeite wie sonst auch, der Groove der Geschwindigkeit macht den Rest. House und HipHop kommen ja irgendwie auch aus der selben Ecke. Die Samples sind häufig ziemlich soulful und manchmal auch ein bisschen jazzy, das lässt sich gut kombinieren. Und immer nur einen Boombap-Beat machen, das geht mir mit der Zeit ganz einfach auf den Sack. Man will halt auch mal was Neues machen.

Das klingt nach Sättigung!?
Hodini: Ja, auf jeden Fall. Momentan wird es eben eher housiger, aber für Rap-Sachen habe ich ja immer noch ein Faible. Ich habe ja aktuell die Platte mit Eloquent draußen und mit Retrogott kommt zum Jahresende ebenfalls ein neues Album raus. Das läuft quasi parallel.

Der Retrogott ist ja nun auch im House-Bereich aktiv!?
Hodini: Ja, auf AVA beim Damiano [von Erckert, Anm. d. Red.] hat er eine EP draußen. Twit One hat als Tito Wun ja auch seine House-Releases. Das ist auf jeden Fall gerade ziemlich modern.

Siehst du deine House-Releases auch als Möglichkeit den eigenen Bekanntheitsgrad zu erweitern? Auch in Richtung DJ-Gigs. Max Graef und Glenn Astro spielen ja regelmäßig im Ausland.
Hodini: Die Jungs machen gerade wieder eine US-Tour. Das beeindruckt mich schon und natürlich ist das interessant, keine Frage. Im Deutschrap ist man halt auf Deutschland, Österreich, Schweiz beschränkt. Im House ist man etwas freier und kommt halt mal ein bisschen weiter herum. Auf der Hodini-Facebookseite merke ich schon, dass Leute aus dem Ausland auf die Seite kommen. Die House-Sache steckt bei mir ja noch quasi in den Kinderschuhen, aber wer weiß. Gegen eine USA-Tour hätte ich jedenfalls nichts einzuwenden. Ich reise gern. [lacht]

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