Kelpe wählt 10 Platten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben

21.03.2024
Foto:© Annette Rotz (Kit Records)
Seine Instrumentals kennen alle. Manchmal auch ohne es zu wissen. Kelpe hat nicht nur gerade sein zehntes Album veröffentlicht – er hat auch viel für Film und Fernsehen produziert. Uns hat er 10 Platten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.

20 Jahre sind genug. Kelpe hat seine zehnte Platte veröffentlicht. Der britische Producer wird keine Musik mehr machen. Kleiner Nachsatz: zumindest nicht als Kelpe, »weil immer noch niemand weiß, wie man den Namen richtig ausspricht«, sagt Kel McKeown zu HHV. Das ist schade, weil er als Kelpe seit 2004 viele schöne Instrumentals produziert hat. Mit Synthesizern und Gitarren und Schlagzeugen nutzte er die ganze Palette an klanglichen Möglichkeiten. Kein Wunder, dass den Slim-Fit-Journalisten gerne das schöne Wörtchen »organisch« rausrutschte, wenn es um Musik von Kelpe ging. Von »Sea Inside Body« bis »LP10« erschienen perfekte Soundtracks für den Kauf-ich-das-wirklich-Blick in der Umkleidekabine von Weekday-Filialen.

Wer mehr über Kelpe wissen will, muss ihm in den Norden Englands folgen. Zwischen Birmingham und Manchester wuchs er auf. Hörte Punk. Und wäre gerne bei den Beastie Boys eingestiegen, wenn der Atlantik nicht was dagegen gehabt hätte. Das Alternativprogramm war ein damals wie heute steinzeitlicher Amiga-Computer. »Ich stand auf Altern8 und die ganz frühen Sachen von The Prodigy, also wollte ich das darauf nachspielen. Ich war wirklich ein ziemlicher Nerd« – der auf der Uni die Platten von Boards of Canada entdeckte, den Warp-Katalog aufsog und irgendwann bei D.C. Recordings landete. »Ein Freund meinte, ich soll mal meine Demos hinschicken. Das hab ich getan. Es erschienen dann ein paar Platten dort«, so Kelpe.

Mehr Styles als Sarah Jessica Parker

So war das. Kel veröffentlichte mehrere Alben auf D.C. Recordings und gründete 2013 sein eigenes Label Drut. Seine Miete zahlt er aber seit über 20 Jahren mit der Arbeit für Film und Fernsehen – zum Beispiel, wenn die BBC eine Doku über Luxus-Schuppen dreht. Oder wenn Will Smith für Disney um die Welt düst. Dass ab und zu ein Kelpe-Track in eine Folge »CSI-Miami« auf Gangsterjagd geht, ist ziemlich cool, Horatio! Und wenn man sich anhört, wie Nokia vor ein paar Jahren seine, erm, Smartphones, vermarkten wollte, dürfte es nicht an Kelpes Musik gelegen haben, dass sie heute nur noch Oma-Handys verkaufen.

Reviews zum Künstler

Für immer fernsehen kann aber auch Kelpe nicht, das heißt: Zukünftig gibt’s trotz Kelpe-Ende neue Musik, aber »unter verschiedenen Pseudonymen, weil ich als Kelpe ohnehin schon viele verschiedene – vielleicht zu viele – Stile zusammengebracht habe«, so der Producer. Acht Jungle-beeinflusste IDM-Tracks werden demnächst unter dem Namen DJ Beta erscheinen. Außerdem bleibt immer noch die ambientösende Soundtrack-Schiene. Da dann seriös und höchstpersönlich unter eigenem Namen Kel McKeown. Den können wir dann auch richtig aussprechen, oder?


Do Make Say Think
& Yet & Yet
Constellation • 2002 • ab 23.99€

Kelpe: Ich bin ein großer Fan dieser Art von Musik, die man als »Post-Rock« bezeichnen könnte, und ich glaube, dies ist mein Lieblingsalbum in diesem Bereich. Wunderbare, sich entfaltende Tracks, die Gitarren und Bläser mit so guter Percussion von zwei Schlagzeugern kombinieren.

Redaktion
Stereolab
Dots & Loops
Duophonic UHF Disks • 1997 • ab 34.99€

Kelpe: Ich habe das Gefühl, dass diese Band ihrer Zeit so weit voraus war und organische und elektronische Klänge so gut miteinander kombiniert hat. Das ist mein Lieblingsalbum von ihnen.

Sebastian Hinz
OutKast
Speakerboxxx / The Love Below
Columbia • 2003 • ab 42.99€

Kelpe: Vor allem die zweite Scheibe (»The Love Below«), denn das war das Material, von dem ich wirklich besessen war. Das Album nimmt einen wirklich mit auf eine Reise und hat eine erstaunliche Produktion und Musikalität mit einer abwechslungsreichen Mischung von Stilen und auch etwas Humor darin.

Redaktion
Cornelius
Point
House Arrest • 2019 • ab 26.99€

Kelpe: Kelpe: Ein weiteres super abwechslungsreiches Album mit einer wirklich einzigartigen Palette an Sounds. So einfallsreich, und die Live-Shows und die audiovisuelle Arbeit, die diese Show begleitete, waren erstaunlich.

Redaktion
Beastie Boys
Ill Communication
Capitol • 1994 • ab 33.99€

Kelpe: Es war eine schwierige Entscheidung zwischen diesem und »Check Your Head«, weil ich beide ungefähr gleich mag (und ich glaube, dass sie ungefähr zur gleichen Zeit entstanden sind). Definierte meine Teenagerzeit: Skaten, Beats, Gitarren, Haare bleichen.

Redaktion
Luke Vibert
Big Soup
Mo' Wax • 1997 • ab 59.99€

Kelpe: Das ist für mich so etwas wie das definitive »Trip-Hop«-Album, denn es ist wirklich trippig, im Gegensatz zu vielen anderen, eher generisch klingenden Sachen. Fantastisches Crate Digging und einzigartiger Einsatz von Samples. Dieses Album hat meine Musik ziemlich beeinflusst, seltsamerweise wahrscheinlich am meisten auf meinem neuen Album, da ich es wiederentdeckt habe, als ich »LP10« machte.

Redaktion
Palace Music
Viva Last Blues
Domino • 2012 • ab 16.99€

Kelpe: Ich liebe die Arbeit von Will Oldham aus dieser Zeit und das ist mein Favorit. Die Produktion von Steve Albini ist auch großartig.

Redaktion
Bing & Ruth
No Home Of The Mind
4AD • 2017 • ab 11.47€

Kelpe: Das ist wahrscheinlich das Album, das ich am meisten gehört habe (zumindest in letzter Zeit). Ich schlafe fast immer mit Musik ein, und es gab eine Phase von ein oder zwei Jahren, in denen ich es fast jeden Abend vor dem Schlafengehen gehört habe. Sie erinnert mich auch an einen nächtlichen Langstreckenflug, denn auch da habe ich sie als Einschlafhilfe benutzt.

Redaktion
Karen Dalton
It's So Hard To Tell Who's Going To Love You The Best
Light In The Attic • 1969 • ab 34.99€

Kelpe: Ich kann einfach nicht genug von ihrer Stimme bekommen. Es ist ein ziemlich düsteres Album, aber ich habe es über die Jahre sehr geschätzt, egal in welcher Stimmung ich war.

Redaktion
The Velvet Underground
The Velvet Underground
Polydor • 1969 • ab 28.99€

Kelpe: Könnte es das perfekte Album sein? Obwohl es sehr zurückgenommen ist und die Songs oberflächlich betrachtet recht einfach klingen, ist es absolut mitreißend und wird nie alt.

Sebastian Hinz Redaktion