Mayer Hawthorne – Ich und mein Vater, mein Vater und ich

01.08.2013
Soul ist einfach nicht tot zu kriegen. Gründe dafür gibt es viele – und einer davon ist Mayer Hawthorne. Der 34-jährige Sänger gilt nach wie vor als Fackelträger des Vermächtnisses von Motown. Wir sprachen mit ihm über seinen Vater.

Soul ist einfach nicht tot zu kriegen – dem langjährigen Ende der goldenen Ära in den 1960er Jahren, dem Ableben von Amy Winehouse und sämtlichen Versuchen des kommerziellen Ausverkaufs zum Trotz. Gründe dafür gibt es viele – und einer davon ist Mayer Hawthorne. Der 34-jährige Sänger gilt nach wie vor als Fackelträger des flammenden Vermächtnisses von Motown und hält dessen Erbe auch auf seinem neuen Album »Where Does This Door Go« stilecht am Leben. Was könnte da besser passen als im Interview mit ihm vorwiegend über seinen Vater zu sprechen.

Du spielst verschiedene Instrumente. Das Bass spielen hat dir dein Vater beigebracht. Ist er mit deinen Fertigkeiten zufrieden?
Mayer Hawthorne: Ja. Er hält mich sogar für besser als sich, aber das ist Quatsch. Außerdem haben wir grundverschiedene Spielstile.

*Dann ist er mit dem bisherigen Verlauf deiner Karriere vermutlich zufrieden…?
Mein Vater war immer sehr skeptisch bezüglich meines Entschlusses, Berufsmusiker zu werden. Er spielt selbst seit Ewigkeiten in einer Band und weiß daher, wie schwer es ist, als Berufsmusiker Fuß zu fassen. Aber klar: Mein Vater ist mein größter Fan.

Gab es einen konkreten Punkt, an dem seine Skepsis bezüglich deines künstlerischen Werdegangs in Stolz übergegangen ist?
Diesen Punkt gab es bisher noch nicht, fürchte ich. Der Stolz ist zwar da, aber seine Nervosität wird er wohl nie ganz ablegen können. Ich bin ja genauso und habe Angst, dass morgen alles vorbei sein könnte.

Wie kritisch ist dein Vater, wenn du ihm neue Sachen vorspielst?
Mein Vater ist mein größter Kritiker. Aber dafür liebe ich ihn auch. Sobald ich einen neuen Song fertig habe, schicke ich den immer sofort zu meinen Eltern. Manchmal ist das schmerzhaft. Eines meiner Lieblingsstücke vom neuen Album ist »Allie Jones«, und das habe ich meinem Vater voller Stolz zugeschickt. Sein Kommentar dazu war: »Ich finde den irgendwie komisch. Gefällt mir nicht.« Da war ich platt.

Und?
Zwei Tage später schrieb er mir erneut und meinte: »Ich hab mir den Song noch mal angehört. So schlecht ist er doch nicht. Er wächst mit der Zeit.« Mein Vater – so ist er eben.

»Mein Vater ist mein größter Kritiker. Aber dafür liebe ich ihn auch. Sobald ich einen neuen Song fertig habe, schicke ich den immer sofort zu meinen Eltern. Manchmal ist das schmerzhaft.« (Mayer Hawthorne)

Wessen Meinung ist dir denn wichtiger – die von deinen Eltern oder die von Leuten wie Snoop Dogg oder Justin Timberlake, die bekanntermaßen Fans von dir sind?
Die Meinung meiner Familie und engen Freunden bedeutet mir mehr. Obwohl ich sagen muss, dass Snoop Dogg mittlerweile ein guter Freund von mir ist – dadurch ist mir auch seine Einschätzung wichtiger geworden. Aber nur, weil jemand berühmt ist, interessiert mich nicht automatisch dessen Meinung. Es gibt schließlich eine ganze Menge Celebrities mit einem ganz furchtbaren Musikgeschmack.

Stimmt es eigentlich, dass dich deine Eltern früher immer mit Platten bestochen haben, wenn sie wollten, dass du etwas tust?
Nicht in allen Belangen. Aber ich habe es als Kind gehasst, zum Friseur zu gehen und habe regelmäßig Wutanfälle bekommen. Um mich zu beschwichtigen, habe ich von meinen Eltern dann immer eine Platte gekriegt. Daher stammt ja auch mein DJ-Name »Haircut«.

Warum Platten? Warum kein Spielzeug?
Platten haben mich fasziniert. Das waren die Spielzeuge, die ich haben wollte. Ich war regelrecht besessen davon.

Das hast du dir vermutlich bei deinen Eltern abgekuckt?
Ja, meine Eltern hatten eine große Plattensammlung und haben immer viel Musik aufgelegt. Die haben mir auch ganz viel über Musik beigebracht. Mein Vater hatte damals einen Laden für gebrauchte Autoteile, zu dem sind wir morgens immer in seinem alten Ford Bronco gefahren und haben dabei Radio gehört. Und mein Vater konnte mir zu jeder Gruppe etwas erzählen: wie der Leadsänger heißt, wann die letzte Platte rauskam oder wie das Konzert gewesen ist. Dadurch habe ich eine tolle musikalische Allgemeinbildung bekommen.

Gibt es eine bestimmte Platte, die alles für dich bedeutet und die du nicht für eine Million Dollar verkaufen würdest?
Ja, es gibt ein paar Platten, die einen sentimentalen Wert für mich haben, der in Geld kaum aufzuwiegen ist. Es gibt zum Beispiel eine Platte der Band Shorty’s Portion, von der ich auch den Song »Fantasy« für meine »Impressions«-EP gecovert habe. Diese Platte habe ich von meinem guten Freund und Förderer Peanut Butter Wolf geschenkt bekommen. Ich habe nie ein weiteres Exemplar dieser Platte irgendwo gesehen, vermutlich gibt es davon auf der ganzen Welt nur noch 50 Stück. Aber der Wert, den diese Platte für mich hat, liegt noch nicht einmal in ihrer Seltenheit, sondern in dem Umstand, dass ich sie von Peanut Butter Wolf geschenkt bekommen habe, einem meiner allerbesten Freunde. Diese Platte würde ich niemals verkaufen.

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