People Under The Stairs – Die Weltenbummler des Hip Hop

01.03.2012
Sie gelten als die meist herumgekommene Rapband der Welt. Wir sprachen mit Thes One über die schönsten Anekdoten und Erinnerungen an ihre missionarische Reisen im Auftrag des Hip Hop.

People Under Stairs gelten als die meistgereiste Band der Rap-Welt – zumindest in puncto Shows. Seit 1999 erarbeiteten die beiden Rapper aus Los Angeles sich einen Ruf als Party-Garanten, den sie durch unzählige, oft feucht-fröhliche Gigs ständig verstärken. Anlässlich der Veröffentlichung von »Highlighter«, ihrem achten Studio-Album, gewährte uns Thes One ein Interview mit Einblicken in die Zeit zwischen den unzähligen Shows, die nicht weniger turbulent zu sein scheint.

Ihr tourt häufig mit Mietwagen: Was ist euch dabei an Merkwürdigkeiten zugestoßen?
Eines Nachts ist ein Hotel, in dem wir übernachteten, explodiert; irgendjemand hatte Meth überkocht. In Albuquerque richtete ein Typ seine Knarre auf Double K. Auf einer Hausparty in Sheffield hatte ich Stress, weil ich in eine lesbische Sex-Party im Badezimmer gestolpert bin. Double K ist fast bei einem Sturz von einer Klippe an der Chinesischen Mauer gestorben. In einer brasilianischen Bar begegneten wir zufällig einem unsere Helden, Hermeto Pascoal. In München bin ich aus Versehen in einem Swinger-Club gelandet und in Texas sind wir von Drogenhunden attackiert worden. Alles in allem also: Nichts Ungewöhnliches!

Da wir gerade von Merkwürdigem reden: Seid ihr schon einmal in El Segundo gewesen?
Ja, wir lassen unsere Platten in El Segundo pressen.

Wie wäre es mit einer Geschichte aus Australien?
Nachdem wir den Großteil des _»The Wiz«-Videos in Sydney im Kasten hatten, mussten wir auf den Helicopter warten, der uns zu unserer letzten Video-Location fliegen sollte. In der Zwischenzeit nahmen wir auf einem Parkplatz ein paar Drinks. Als wir dann an den Steilklippen, der Location, angekommen waren, wurde mir ein für alle mal bewusst, dass bereits ein Bier an einer Steilklippe mit einem nur 15 Meter entfernten Helikopter zu viel ist. Wir setzten unser Poker-Face auf, flippten innerlich hingegen komplett aus.

»Zwischen 1999 und 2002 habe ich dank Pommes-Buden 20 Kilo zugenommen« (Thes One)

Erzähl bitte von eurer Tour durch China!
China war fantastisch, aber ich war die ganze Zeit ein wenig unentspannt: Wir hatten bei der Einreise den Zoll belogen und befürchteten einige Male, geschnappt zu werden. Ziemlich bizarr war die Darstellung der USA im chinesischen Fernsehen. Glücklicherweise kaufte ich in Peking einen Haufen Straßenkunst, bangte allerdings wegen möglicher Schwierigkeiten bei der Ausfuhr. Dort erwarb ich auch an einem Straßenstand, von ein paar Mongolen mit so einem miesen Geruch, Shaker und andere Instrumente, vermutlich aus Tier-Körperteilen. Zuhause angekommen war der »Duft« stärker geworden und übertrug sich auf die Umgebung. Also kochte ich alles und das Wasser verwandelte sich in so einer Art fauligen Eintopf. Die Shaker konnte ich retten und auf dem neuen Album einsetzen.

Was hat euch in Afrika persönlich berührt?
In Johannesburg zeigten uns ein paar großartige »Stadtführer«, die selbst Teil einer Rap-Gruppe sind, das ganze Touristenzeug. Als ich fragte, wo sie abhängen und was sie essen würden, wenn wir nicht dabei wären, brachten sie uns in ihr Viertel in Soweto. Dort standen wir im Regen und aßen diese Sandwiches, die sie »Quarters« nennen. Das werde ich nie vergessen.

Welche Eindrücke haben die verschiedenen europäischen Länder bei euch hinterlassen?
Schweden war unsere erste Liebe. Großbritannien ist besser geworden, nachdem es dort jetzt Marks and Spencers auf den Schnellstraßen gibt – davor war Little Chef der TOD. Wagamama und Nandos haben das Touren in Großbritannieneinfacher gemacht. Zwischen 1999 und 2002 habe ich dank Pommes-Buden 20 Kilo zugenommen (wirklich). Holland – ohne Worte. Brezeln an deutschen Tankstellen sind krass und Berlin hat wahrscheinlich das beste Schawarma der ganzen EU. Das feinste Bier wird von Mönchen in München gebraut. Paris und Frankreich allgemein mag ich aus verschiedenen Gründen am liebsten. Habt ihr in der EU aufgehört in Clubs zu rauchen? Ihr solltet, dann bekommt ihr automatisch bessere Rap-Shows! – Wenn ich an Lungenkrebs sterbe, liegt das an dem ganzen Rauch, den ich auf Bühnen während des Tourens durch Europa eingeatmet habe.

Was war die komischste Speise auf Tour? Vegemite? Hühnerfüße? Schlimmer?
Gefüllte Taube in Ägypten, wobei von mir erwartet wurde, dass ich die Füllung durch das aufgeschlitzte Genick des Vogels saugen sollte.- Nein! Und: Ziegenhirn-Curry in Indien, iiiiih. Vegemite – sorry Leute, das Zeug ist widerlich!

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