Robert Beatty – Momente zwischen der Bewegung

24.06.2013
Interstellare Objekte, die durch halluzinatorische Landschaften schwirren, starre geometrische Formen und ein in der Realität verankertes psychedelisches Flair. Robert Beatty kreiert seit zehn Jahren Albumcover für sich und viele andere.
Interstellare Objekte, die durch halluzinatorische Landschaften schwirren, dominante Farben, starre geometrische Formen und ein in der Realität verankertes psychedelisches Flair. In den letzten zehn Jahren hat der 31-jährige Designer und Musiker Robert Beatty Airbrush-Album-Cover aus computermanipulierten Collagen und handgemalten Illustrationen für Bands und Musiker wie Midday, Peaking Lights, Gary War, Dracula Lewis und Idiot Glee gemacht. Nach der High School arbeitete Beatty vier Jahre als Tankstellenwärter, bevor er mit seiner Band Hair Police auf Tour ging. Sein erstes Coverdesign war für ihre erste CD »Blow Out Your Blood«. Ohne jede Schulung oder Kunstausbildung brachte sich Beatty die Techniken und Stile selbst bei, die ihm begegneten und faszinierten.

Ich erinnere mich, als Kind stundenlang Albumcover angestarrt zu haben, da ich die visuelle Sprache besser verstand als die Musik. Wie war deine Beziehung zur Musik beziehungsweise zur Albumkunst als du aufgewachsen bist?
Robert Beatty: Die Musik hat mich definitiv immer stärker angezogen, wenn das Artwork mir gefiel oder meine Aufmerksamkeit erregte. Ich bin viel mehr eine visuelle Person, als dass ich musikalisch bin, so mache ich mich oft schuldig, indem ich Platten nach ihrem Cover bewerte. Ich habe nicht wirklich viel Zeit mit Musik verbracht als ich ein Kind war, nicht mehr als jeder andere. Als Teenager, Mitte der 1990er Jahre, fing ich an mich mehr für Underground-Musik zu interessieren und mein Interesse an Plattencovern wuchs. Schallplatten von Stereolab, Thinking Fellers Union Local 282, Cornelius, Pavement, Royal Trux, The Boredoms. Das Grand Royal-Magazin der Beastie Boys, welches viele Arbeiten von Mike Mills und Geoff McFetridge beinhaltete, war auch eines der Dinge, die mein Interesse an Design weckten als ich ein Teenager war.

Kannst du deinen Designprozess beschreiben? Bekommst du Anweisungen von den Bands oder verlierst du dich in der Musik und los geht’s?
Robert Beatty: Es ist bei jedem Projekt verschieden. Ich habe ein Skizzenbuch mit Ideen und ziehe viele Dinge daraus – Formen, Farbpalletten, Kompositionen und Text. Manchmal will eine Band etwas Bestimmtes, aber vielmals bekomme ich nur sehr grundlegende Richtlinien und bin frei dahin zu gehen, wohin ich mit der Kunst will. Oft höre ich die Musik, für die ich das Artwork mache, während ich arbeite.

Du machst selbst auch Musik. Wie visuell ist der Prozess des Musikmachens bei dir? Siehst du Farben und Designs, wenn du komponierst und mit Sounds experimentierst? Wie beeinflusst dein Beruf als Coverdesigner deine Musik?
Robert Beatty: Ich sehe Musik als Erzählung, aber ohne einer speziellen Metaphorik. Ich mag es wenn Bewegung und eine gewisse Entwicklung da ist, selbst in den abstraktesten Arten von Musik, die ich mache. Ich denke nicht wirklich an etwas, wenn ich Musik mache. Ich ziehe es vor, mich gehen zu lassen und lasse die Musik geschehen. Ich denke, ich bin momentan definitiv bekannter für meine Kunst als für meine Musik, deshalb ist es immer schön wenn Leute durch meine Kunst etwas über meine Musik herausfinden. Daneben bin ich einfach froh, die Zeit zu haben um beides zu tun.

Wie unterscheidet sich der kreative Prozess, wenn du dein eigenes Cover kreierst, von dem Designprozess für andere? Was fällt dir leichter?
Robert Beatty: Es ist definitiv einfacher für mich Kunst für die Musik anderer Leute zu machen als für meine eigene. Ich habe so viele Ideen, wenn ich an einem Artwork für meine eigene Musik arbeite, dass es schwer ist, sie auf etwas einzugrenzen, das auf ein Cover passen kann. Es ist manchmal gut jemanden da zu haben, der einem sagt, was man tun soll.

»Die Musik hat mich definitiv immer stärker angezogen, wenn das Artwork mir gefiel oder meine Aufmerksamkeit erregte. Ich bin viel mehr eine visuelle Person, als dass ich musikalisch bin, so mache ich mich oft schuldig, indem ich Platten nach ihrem Cover bewerte.« (Robert Beatty)

Hattest du jemals einen Konflikt beim Versuch einen charakteristischen Stil zu etablieren und zur selben Zeit die Musik deiner Klienten zu reflektieren? Es ist ein schwieriges Unterfangen, von dem ich glaube, dass du es recht erfolgreich gemeistert hast…
Robert Beatty: Ich denke, die meisten Leute, die mich beauftragen, das Artwork für sie zu machen, kommen zu mir, weil sie meinen Stil kennen, aber ich versuche immer ihn dem jeweiligen Projekt anzupassen. Darüber hinaus denke ich nicht wirklich viel darüber nach, ich mache einfach was auf natürliche Weise kommt.

Du arbeitest mit der Airbrush-Technik, die leicht mit der Trash-Kultur assoziiert wird. Wie kamst du dazu diese Technik für deine Arbeit zu nutzen. Warum sagt sie dir zu?
Robert Beatty: Ich war schon immer ein Fan der Airbrush-Kunst, seit ich als Kind »Monty Python’s Flying Circus« gesehen habe und mir Alan Aldridge’s »Beatles Illustrated Lyrics«-Buch angsehen habe. Ich bin ein großer Fan von Künstlern wie Destroy All Monsters und Jeff Keen, die »trash culture« in ihrer Arbeit nutzen. Ich wünschte, ich wäre in der Lage es erfolgreicher zu tun, in ihrer Blütezeit allerdings war die Airbrush-Kunst überall, daher wird sie mit dieser Kultur assoziiert. Ich denke, die Charakteristik, die die Technik erzielt ist schwer zu fassen, das macht einen Teil des Reizes für mich aus. Die Leute können sich oft nicht vorstellen wie ich die Cover kreiere, was ich ebenso mag.

Du verweist manchmal auf ältere Albumcover. Hast du ein umfassendes Archiv von Albumkunst für Recherchezwecke?
Robert Beatty: Ich habe eine ziemlich große Sammlung von Kunstbüchern, Magazinen und Bildern, die eine endlose Inspiration für mich sind. Ich versuche nicht direkt auf etwas zu verweisen, sondern jedes Mal etwas Neues zu machen. Ebenso viel wie die Albumkunst, inspirieren mich alte Magazine, Filme und Produktverpackungen.

Wie sehr ist deine Arbeit vom Film beeinflusst, eher als von anderen Albumcovern oder Cartoons?
Robert Beatty: Animation ist auch eine riesige Inspiration für mich, ich habe eine massiv große Kollektion von obskuren Animationen, die ich über die Jahre gesammelt habe. Ich glaube Animation ist eine der allumfassendsten Kunstformen die existieren und ist in der Lage so viel auszudrücken, wie es ein Gemälde oder ein Musikstück alleine nicht kann.

Dein Artwork zeigt oft eine Art Bewegung und Transformation mit der Betonung auf Pforten oder Löchern aus denen Dinge entstehen. Warum diese wiederholende visuelle Erzählweise?
Robert Beatty: Ich glaube Veränderung und Transformation sind sehr wichtige Aspekte meiner Arbeit. Ich versuche nicht unbedingt Bewegung zu zeigen, aber die Momente zwischen der Bewegung, die oft noch interessanter sind. Mich intersessiert außerdem das Porträtieren eines Bruchs mit der Realität oder von etwas das von wo anders her einfällt. Ich habe mich immer von so etwas angezogen gefühlt, wenn etwas hinter einem Bild oder im Inneren versteckt ist, das von finsterer Herkunft ist.

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