Aufstehen, anziehen, schnell den Kaffee hineinschütten, Check vor dem Spiegel, Tür zu, Smartphone an, zwei Likes hier, ein paar Storys da, U-Bahn gerade noch erwischt. Arbeit fängt an, Tag hört auf. Dazwischen: rattern, denken, swipen, reden, Nachricht hier, Kuss da. Und dann von vorn. On repeat. Es sind »die beiden Seiten von Schnelligkeit, sowohl im real life als auch in der ganzen Online-Welt«, die Silvan Strauss beschäftigen. Auf der einen Seite: »Lust auf Action, Abwechslungsreichtum«. Auf der anderen: »getrieben sein, vor etwas weglaufen«. Mit seinem neuen Album Sprinting schreibt der Hamburger Schlagzeuger und Producer diese Ambivalenz musikalisch fest.
Trommeln wie die Maschine
Ein wichtiger Ausgangspunkt für die Übersetzung der beschleunigten Jetztzeit in Musik ist für Strauss Chicago Footwork. Schon vor mehr als zehn Jahren entdeckt er Da Mind of Traxman Vol. 1 des Footwork-Pioniers Traxman. Vor allem die programmierten Drums faszinieren ihn – und er beginnt, sie am Drumset nachzuempfinden. In den Folgejahren verliert Strauss Footwork erst mal wieder aus den Augen. Erst mit dem Erscheinen von Da Mind of Traxman Vol. 3 2025 hat die Begeisterung »wieder voll gekickt«. Die Herausforderung für die Eigeninterpretation: Programmierte Beats kennen keine körperlichen Grenzen. »Es ist für mich immer sehr spannend, Wege zu finden, wie ich da mit meinem Klangrepertoire am akustischen Drumset möglichst nahe herankomme«, so Strauss.

Sprinting
Fußarbeit: Tanz
Seine Vorgängeralben Facing und Flukin’ waren noch stärker von Soul, Hardbop und instrumentaler Musik geprägt. Auf Sprinting rücken Produzent:innen aus dem Teklife-Umfeld als Referenzpunkte in den Vordergrund und Strauss experimentiert stärker mit elektronischen Produktionsweisen. »Auf einer ganz einfachen Ebene ist die Musik dadurch auch viel schneller geworden.« Geschwindigkeit bedeutet hier aber auch Bewegung: Musik und Tanz sind im Chicago Footwork eng miteinander verbunden. Für die Visuals zu Sprinting arbeitet Strauss deshalb mit Tänzer:innen von Brüssel bis Bangkok zusammen, die in seiner Musik Facetten entdecken, die ihm selbst zuvor verschlossen waren. Strauss bringt es auf den Punkt: »Da kommt etwas zusammen, was auch schon immer zusammengehört hat.«
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