Smif ‘N Wessun – Die Renaissance Bucktowns

13.08.2011
Mit leichter Verspätung haben sich Smif ‘N Wessun und Pete Rock zusammen gefunden mit einem Album, das an vergangene Zeiten erinnert. Ein entspannter Tek beantwortete uns Fragen über __Monumental__, New York und __Dah Shining__.

Der Untergrund der Golden Era in New York erlebt dieses Jahr ein kleines Revival. Als wären die Uhren zurück gedreht, erreichen uns von Duck Down gleich mehrere Releases der einstigen Helden der goldenen Dekade. Die Herren vom legendären Boot Camp Clik sind nach den schwächelnden Alben des letzten Jahrzehnts gleich mit zwei Monsterprojekten dabei, deren Charakter stark an den Glanz vergangener Zeiten erinnert. Sean Price begab sich nach Detroit, um mit Dilla Zögling Black Milk und Guilty Simpson ein Album aufzunehmen. Circa fünfzehn Jahre zu spät haben sich Tek und Steele Großmeister Pete Rock ins Studio geholt und unter dem Titel Monumental ein nicht gerade bescheiden angekündigtes Album vorgelegt. Mitte der Neunziger formten Smif ‘N Wessun aus der Mitte des Boot Camp Kollektivs mit Dah Shining den dreckigen Sound des Rotten Apple. Tek nahm sich die Zeit, um mit uns über das verkommene Bucktown, die Zusammenarbeit mit Pete Rock, das erste Album und die Heimat Duck Down zu sprechen.

Wie seid ihr mit Pete Rock für Monumental zusammen gekommen?
Steele und ich haben uns überlegt, wie wir dieses Album besser machen können als die vorherigen Releases. Wir haben über verschiedene Produzenten nachgedacht und kamen auf die Idee, für das Album mit nur einem Produzenten zusammen zu arbeiten. Pete war derjenige, dessen Name immer wieder aufkam. Wir haben ihn gefragt und er war sofort dabei. Es ist also ein perfektes Match.

Wie würdest du deine Haltung Pete gegenüber beschreiben?
Nicht nur, dass ich einen unglaublichen Respekt ihm gegenüber empfinde, ich liebe ihn als Mensch. Er ist Familie, er ist mein Bruder. Durch Monumental hatte ich die Möglichkeit, mit ihm zu arbeiten und ihn besser kennen zu lernen. Ich verstehe jetzt, warum seine Musik so soulful ist. Ich empfinde nichts als Liebe und Respekt für Pete Rock.

»Auf Dah Shining ging es um viel mehr, als nur über Beats zu rappen. Wir haben einen Vibe, einen Sound erschaffen.« (Tek)

Wie habt ihr im Studio zusammen gearbeitet?
Wir waren immer gemeinsam im Studio. Pete spielte uns ein paar Tracks vor. Bei einigen davon meinte er, er könne uns dazu reimen hören. Pete hatte viele Ideen für die Zusammenarbeit und wir selber hatten auch einige Vorstellungen. Bei jeder Session saßen wir zusammen und tauschten Ideen aus und probierten Sachen. Wenn etwas nicht geklappt hat, haben wir es anders versucht. Es war eine sehr kreative Atmosphäre.

Ihr habt Monumental als »Dah Shining Part Two« bezeichnet. Was ist damit gemeint?
Monumental erinnert uns an Dah Shining. Auf dem ersten Album haben wir nur mit einem Produzententeam gearbeitet haben, mit Da Beatminerz. Dah Shining wird für immer unser bestes Album bleiben. Wir haben nie beabsichtigt, dass daraus ein Klassiker wird. Aber wir haben alles von uns in dieses Album gesteckt, unser Blut, unseren Schweiß und unsere Tränen. Es ging um viel mehr, als nur über Beats zu rappen. Wir haben einen Vibe, einen Sound erschaffen. Und Pete identifiziert sich mit dieser Arbeitsweise und mit dem dreckigen »Backpacker Underground Sound«. Monumental ist daher ähnlich zu dem Prozess von Dah Shining entstanden. Wir hatten nur einen Produzenten und wollten ein Gefühl transportieren. Wir wollten die Erfahrungen von Tek und Steele, was wir im Hip Hop Game gelernt haben gemeinsam mit Pete Rock auf einem Album vereinen. Und das mit dem Titel Monumental. Ich hoffe, die Leute verstehen das.

Auf Monumental sind viele Features vertreten. Einige stammen aus der Boot Camp Familie oder von Duck Down. Wie sind beispielsweise die Auftritte von Rappern wie Bun B zustande gekommen?
Es war nicht so schwer, die Features auszuwählen. Alle Namen auf Monumental haben einen bestimmten Sinn. Entweder wir haben enge Beziehungen zu diesen Leuten oder haben in der Vergangenheit schon einmal mit ihnen gearbeitet, oder wir hatten ein gemeinsames Ziel. Als die Musik fertig war, war es natürlich, zu sagen, lass uns für diesen Track Bun B oder hier Hurricane G nehmen.

DJ Premier bezeichnete Monumental als »The new beginning of Hip Hop in New York«. Wenn du an die alten Zeiten in »Bucktown« denkst, was hat sich in New York verändert?
Ich denke, New York hat einiges von seiner Originalität verloren. Die Stadt ist voller Zuversicht und manchmal verwandelt sich diese in übermäßiges Selbstvertrauen. Ab einem gewissen Punkt beginnen die Leute, es als Fake wahrzunehmen. Anstatt originell zu sein, kopieren einige das, wovon sie denken, dass es erfolgreich ist. Manchmal können die Fans das unterscheiden. Ich bin dankbar und geschmeichelt, dass Primo, eines meiner Idole, das gesagt hat. Das bedeutet mir viel. Ich bin froh, dass wir Teil eines Neuanfangs sein dürfen.

»New York hat einiges von seiner Originalität verloren.Die Leute kopieren das, wovon sie denken, dass es erfolgreich ist.« (Tek)

Duck Down ist als Label zu einem guten Teil für das Überleben von Hip Hop in New York verantwortlich. Wie seht ihr das Label aus eurer Perspektive?
Wir haben Duck Down von Tag eins groß gezogen. Es ist, wie einem Kind dabei zuzusehen, wie es aufwächst und ins College geht. Du hörst nie auf, dein Kind zu lieben. Duck Down ist unser Baby, unsere Familie. Und es ist der Ort, wo wir angefangen haben. Duck Down ist der Beweis für Künstler, dass du erfolgreich sein kannst, wenn du an dein eigenes Produkt glaubst.

Ihr seid untrennbar mit dem Boot Camp Clik verbunden. Was hat sich in den letzten Jahren in der Familie verändert?
Wir sind erwachsen geworden. Wir haben angefangen, das Leben als Männer zu erfahren. Starang wurde festgenommen und Rock hatte eine Mordanschuldigung, Ich habe eine eigene Firma gegründet. Wir mussten uns vielen Dingen stellen, die zum Leben gehören als Männer und als Rapper. In den letzten Jahren wurde die Identität als Rapper immer wichtiger. Dabei ist es gut, dass wir eine Familie sind. Wir können noch so weit entfernt sein, wir sind dennoch miteinander verbunden und können alle wieder zusammen kommen. Dieses Jahr arbeiten wir an dem neuen Boot Camp Clik Album und bringen es nächstes Jahr hoffentlich raus. Dann kommen wir alle wieder zusammen, das wird auf jeden Fall eine Menge Spaß.

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