Pop in Deutschland ist ohne Frank Fenstermacher und Kurt Dahlke schwer vorstellbar. Beide gehören zu den Neue-Deutsche-Welle-Pionieren Fehlfarben und damit zu einer der prägenden deutschen Bands überhaupt. Kaum weniger wichtig ist ihr Anteil am surrealistischen Synthiepop-Projekt Der Plan, das sie zu zwei Dritteln repräsentieren. Ihre Musik als Duo unter dem Namen A Certain Frank hat sich hingegen diskret am Rand der Öffentlichkeit gehalten.
Verneinung ist Teil ihres Auftritts: Ihre Studioalben beginnen im Titel mit »No«, am konsequentesten ihre vor 25 Jahren erschienene Platte Nothing. Das Wort lässt sich als Programm verstehen. So richtig scheint diese Musik nichts zu wollen, zumindest will sie kein markantes Statement abgeben, schon gar nicht im Sinne eines Genrebekenntnisses. Dabei tut sie eine ganze Menge, angefangen mit dem Groove, der sich aus dem Erbe von Dub und dezenten Hip-Hop-Anleihen mit sehr sanften Breakbeats speist.
Hintergrundmusik im Grunde, doch auch in diesem Punkt verweigern Fenstermacher und Dahlke die Eindeutigkeit. Der Titelsong etwa setzt mit brachialem Schlagzeugrumpeln ein, bevor die Sache ihren gemächlichen Fluss beginnen kann. Genauso ambivalent verwenden sie die Perkussion in »Peace Again« oder ihrem Quasi-Hit »Donde Vas«. Und selbst da, wo sie auf klare Irritationen verzichten, lauern noch versteckte Seltsamkeiten, seien es die Billigsynthesizermelodien im ansonsten friedlich pluckernden »In the Sky« oder die schaumartig aufblubbernden Harmonien in »Blue & White«. Mit den Jahren hat die Akzeptanz für Musik, die um ihrer selbst willen da sein möchte, ja eher zugenommen. Für ein Reissue ein guter Zeitpunkt.

Nothing