Garip ist eine Hommage an den anatolischen Musiker Neşet Ertaş – und ein mutiges Unterfangen. Denn alle Stücke des sechsten Albums von Altin Gün basieren auf seinen Kompositionen, die hier konsequent durch den Altın-Gün-Filter gejagt werden: aus folkloristischen Quellen werden psychedelische Groover. Melodien bleiben erkennbar, werden jedoch rhythmisch verschoben, harmonisch geöffnet und in ein neues Spannungsverhältnis gesetzt.
Gleich der Opener »Neredesin Sen« macht das deutlich. Eine markante, fast kühl wirkende Post-Punk-Basslinie in 80s-Manier trifft auf Saz-Melodien, wuchtige Percussion und türkische Vocals. Der Song kippt mit dem Einsetzen von Saz und Gesang von spröder Spannung in etwas Rituelles, Emotionales – eine Genre-Symbiose, die Tradition und Moderne produktiv ineinander verschränkt.
Einen anderen Akzent setzt der Schlusstrack »Bir Nazar Eyledim«. Mit über sechs Minuten ist er der längste und zugleich ruhigste Moment des Albums. Weniger psychedelisch-rockig als der Rest, schwebt er mit beinahe ambienthaften Passagen und eindringlichen Vocals dahin. Ein stiller Abschluss, der zeigt, dass Garip nicht nur neu denkt, sondern auch Raum lässt – für Erinnerung, Melodie und Nachhall.

Garip Black Vinyl Edition
