Freund:innen des psychedelischen Genres können aufatmen: Nachdem Tame Impala mit Deadbeat eine neue, elektronische Ära einläutete und viele Kritiker:innen wie Fans gleichermaßen enttäuscht zurückließ, bleibt Melody Prochet aka Melody’s Echo Chamber auf Unclouded ihrem gewohnt verträumten Neo-Psychedelia-Sound treu – auch 13 Jahre nach dem von Kevin Parker selbst produzierten Debütalbum. Zwar haben die Songs im Vergleich zu manch hypnotischem Vorgänger etwas an Länge eingebüßt, doch wirkt vieles auf dem vierten Album der Musikerin vertraut und zugleich ausgereifter.
Zu Beginn geleiten verführerische Streicher in Melodys lyrische Märchenlandschaft, in der sie mit »Eyes Closed« für einen kurzen Moment die Tore zum Psych-Rock à la Tame Impalas »InnerSpeaker« öffnet. In »Childhood Dream« gedenkt Prochet auf Niederländisch den Großeltern und schlägt wieder den eleganten Pfad des Dream Pop ein. Jazzige Drums und softe Basslines münden dort in einen groovigen Rhythmus, der etwas Behagliches an sich hat. Insgesamt schlägt das Album lebensbejahende, mitunter kitschige Töne an, etwa wenn Prochet singt: »There’s an ocean of love pouring into my soul«, oder über nächtliche Tauchgänge mit Delfinen sinniert. Der Hang zum Verklärten sei ihr jedoch verziehen, schließlich ist davon auszugehen, dass die luftigen Melodien den Geist im besten Sinne vernebeln und Worte in den Hintergrund rücken. Unclouded ist deshalb Tagträumerei auf hohem Niveau.

Unclouded