Spielt man das sphärische, klirrende Klanggerüst der Cocteau Twins in halber Geschwindigkeit ab und stellt sich die erquicklich jugendliche Stimme von Altered Images’ Clare Grogan noch etwas morbider vor, landet man ungefähr in der Klangwelt von inrain. Das Duo setzt sich aus Rudy Tambala und Alison Shaw zusammen, die mit ihren Bands A.R. Kane und Cranes Ende der 1980er-Jahre nicht nur den Pop abstrahierten, sondern auch den Inbegriff des Dream Pop verkörperten.
Über drei Jahrzehnte nach der ursprünglichen Studioaufnahme verlaufen auf der überarbeiteten Veröffentlichung Rise nun sämtliche Genregrenzen ineinander. Hallende Gitarren wabern um den ätherischen und kindlichen Gesang Shaws, der diese zaghaft zu umgarnen versucht. Selbst in Begleitung verspielter Synths, die sich wie der aufdringliche Klingelton eines alten Nokia-Handys ins Gehör graben, dominiert der sehnsüchtige Stimmschleier Shaws. Ein anderes Mal ist es der Bass, der das Lied trägt, während sich ein subtiles Rasseln mit lieblichen bis unbehaglichen Gesangs- und Instrumentalfragmenten zu einem langen Interlude verbindet, das sich in einem abrupten Klassikmoment auflöst.
Drei der vier Songs wurden bereits 1991 aufgenommen, aber auch der Zusatztrack »Biology« von 2012 fügt sich trotz oder gerade wegen seines futuristischen Sounds mit betonten Gesangspausen und staccatoartigen Vocals in die minimalistische Struktur dieser knapp fünfzehnminütigen Collage musikalischer Underground-Kultur. Rise ist damit ein Sounddokument, das gleichermaßen zurückschaut und weiterträumt.

Rise