Review

Antilopen Gang

Aversion

JKP • 2014

Es brauchte erst den popkulturell-heroischen, in der Realität aber nicht zu beschönigenden Tod ihres Band-Mitglieds NMZS, bevor (Hiphop-)Medien, dann das Splash! und letztlich Campinos’ Label JKP auf die Antilopen Gang aufmerksam wurden. Seit Jahren in »Zeckenrap«-Kreisen und bei deinen SoWi-Kommilitonen für ihren linksradikalen DIY-Mindstate beliebt, unterscheidet sich ihr hochoffizielles Debüt »Aversion« im Vergleich zu den Online-Releases schon durch den Umstand, dass Koljah, Panik Panzer und Danger Dan hier tatsächlich so etwas wie eine »Produktion« realisiert haben. Dan packte Instrumente aus, Panik triggerte Beats, Roe Beardie hat gemischt – die Gang übt sich im Hochglanz. Wo einst halbgare Synthie-Beats für die humoristischen wie reflektierten Bildungsbürger-Bars dümpelten, haben sich nun pop-rockige Be- wie Aufstandsaufnahmen zwischen Revolution und Resignation heraus-professionalisiert. Den ureigenen Punk-Charme hat die Gang sich – des Kalkül-Beigeschmacks durchaus bewusst – erhalten und nutzt ihn zur Selbstinszenierung: »Anstatt weiter Klamauk zu machen/ Hielten wir es für klug etwas auszusagen«. Die Antilopen sind eben keine Antifa-Version von K.I.Z,, sie haben Haltung. Doch anders als etwa Veedel Kaztro der vergleichbare Attitüden kommuniziert, verbleibt das Trio oft in einem Elfenbeinturm der Opposition. Mögliche Problemlösungen werden allein durch Humor vorgeschlagen – Ironie als Schutzschild. »Aversion« ist dennoch in all seiner Abneigung gegenüber Deutschtümelei oder sonstigen schauerlichen Kulturauswüchsen durchweg unterhaltsam und vermutlich die politischste LP ihrer Bandgeschichte sowie des ausklingenden Deutschrap-Jahres 2014. Nur ein Niemand peilt die Gang nicht.