Review

Antonina Nowacka

Sylphine Soporifera

Mondoj • 2024

Mystik ist immer in der materiellen Welt verwurzelt und niemandem sonst gelingt es, das so deutlich zu veranschaulichen wie Antonina Nowacka. Sowohl die letzten Soloalben des WIDT-Mitglieds als auch »Languoria«, ihre Zusammenarbeit mit Sofie Birch im Jahr 2022, abstrahierten das Konkrete, indem sie einen Call-a-Response-Dialog mit der Erde aufnahmen, im buchstäblichsten Sinne natürlich auf »Vocal Sketches from Oaxaca« aus dem Jahr 2021. Zwischen Nowackas Stimme, dem Resonanzraum und dazwischen schien immer etwas Drittes aufzutauchen. »Sylphine Soporifera« nun ist das zweite Album der polnischen Vokalkünstlerin für das Qualitätslabel Mondoj, seitdem sie dort mit »Lamunan« ihr Debüt ablieferte.

Sie erweitert merklich ihre Klangpalette um Orgel-, Zither-, Harfen- und Okarina-Klänge sowie Synthesizer und andere Instrumente, die von Oskar Karski und Catia Lanfranchi eingespielt wurden. Der Schwerpunkt liegt jedoch nach wie vor auf Nowackas Stimme, ihren wortlosen Intonationen und deren Widerhall in der dezent verwobenen Musik, die klassische New-Age-Register zieht und manchmal Richtung Fourth World aufbricht; als eine Art überwiegend akustischer Dungeon Synth für unberührte Waldgebiete. Das gibt Nowackas vielfältigen musikalischen Interessen und ihren unkonventionellen Gesangstechniken noch mehr Inszenierungsmöglichkeiten als auf früheren Alben, auf denen sie überwiegend mit natürlichem Hall gearbeitet hat, und lässt ihre Performance greifbarer erscheinen als je zuvor. Was eben wiederum bedeutet, dass »Sylphine Soporifera« Nowacka von ihrer mystischsten Seite zeigt. Sowas von da, sowas von far-out zugleich.