Avalon Emersons Stimme hat viele Register. Auf dem Opener »Eden« klingt sie, natürlich nachbearbeitet, wie Suzanne Vega 1987 auf »Tom’s Diner«. Wholesomeness macht sich also zu Beginn des zweiten Dream-Pop-/Indie-Albums der hauptberuflichen DJ und Produzentin breit, und man freut sich auf wonniges Abslacken im eigenen Mind Palace. Dann setzen plötzlich bräsige Funk-Gitarren ein, und man wähnt sich keineswegs in »Eden«, sondern in einer Check24-Werbung. Oder noch schlimmer: im musikalischen Œuvre von Rhye. Glücklicherweise hält der Schrecken nur kurz an, denn die feengleiche Amerikanerin hat’s erwischt: Sie will Gesichter küssen, jemand hat ihr liebstes Stück ihres Selbst gestohlen. Klarer Fall: Auch auf Written Into Changes darf geschmachtet werden. Das versöhnt.
»Happy Birthday« erinnert in seinen Bassläufen ziemlich konkret an Men I Trust. Das verwirrt. Auf dem Titelsong gibt’s Vocoder-Nachdenklichkeit und Call-and-Response-Passagen von Avalon mit Avalon. Das überzeugt. Vielleicht sollte man sich in diesem Segment ohnehin vom Anspruch freimachen, dass Alben ohne Epigonentum auskommen, so sehr man das der Künstlerin aufgrund ihres freigeistigen Auflegestils auch zutrauen würde. Wo wir schon dabei sind: »Wooden Star« befeuert seine gelungene Dramaturgie mit flackernden Synths aus dem Bigroom-Tech-House der Nullerjahre. Es sind diese Momente, in denen man das Gefühl bekommt, dass Written Into Changes nicht nur ein solides, sondern ein großartiges Album hätte werden können.


