Sie weiß, wovon sie spricht. Das elfte Album der ungekrönten schwedischen DIY-Wave-Pop-Königin heißt nicht nur deshalb Amateur, weil der Wortstamm im Lateinischen »Liebe« bedeutet und wir doch alle keine Profis auf dem Gebiet sind, sondern auch, weil es Fragen stellt, die sich mit Kunst und Leidenschaft in den Zwängen eines kapitalistischen Systems beschäftigen. Ist man Profi, wenn man in entsprechenden Strukturen arbeiten und veröffentlichen kann – oder nicht doch eher, wenn man alles selbst macht und jedes Gewerk aus dem Effeff kennt? Klar, nur bedingt darauf angewiesen zu sein, von seiner Leidenschaft leben zu müssen, ist ein Luxus, den man sich leisten können muss, aber kommen wir zur Musik.
Die ist auch nach anderthalb Dekaden unerreicht in ihrem hymnischen Lo-Fi-Wave-Pop, bei dem jeder Keyboard-Ton klingt, als wäre er im Beisein einer Nebelmaschine gespielt worden. Mal strömt der Punk aus den Songs (»Get A Life«), mal schreibt sie nostalgische House-Banger (»Classified«), und dann – wenn man genau hinhört – könnte man sogar Schlager erahnen (»How Much Is The World«). Auch wenn sich vieles an dieser Musik hinter Wänden aus Hall und Nebel verstecken mag, findet jede Message ihr Ziel. Längst ist Molly Nilsson der politische Aspekt genauso wichtig wie der persönliche. Nein, alle Antworten finden sich hier nicht (»We’re probably cursed / Or maybe we were blessed«). Ob es Profis gibt, die sich dem annehmen? Egal. Wir müssen tanzen.

Amateur