Review

Beach House

Once Twice Melody

Sub Pop • 2022

4 Kapitel, 18 Tracks und knapp 90 Minuten – die Länge von »Once Twice Melody« sticht zuerst ins Auge, ungefähr so lang wie ein Spielfilm. Der cineastische Hang hört dabei jedoch nicht auf. Victoria Legrand und Alex Scally alias Beach House kreieren mit ihrem achten Studioalbum einen Soundtrack, der in die eigene Imagination von Szenerien aufsteigen lässt. Plötzlich scheint nichts mehr so, wie es in Wirklichkeit ist: über jeder Gesangsspur liegt mindestens der Hauch eines Echos, irgendwo summt oder fiept es, die Synths sind meist so flächig und der Reverb-Effekt auf Keys und Gitarre streckt sich so weit aus, dass sie beim Hören eine gewisse willkommene Orientierungslosigkeit induzieren, die nur noch weiter in fantastische Tagträume hineinziehen. Auf dem von Legrand und Scally ersten selbstproduzierten Album findet sich auch zum ersten Mal ein Streicher-Ensemble. Nicht nur verstärken sie die Film-Assoziationen von »Once Twice Melody«, sie geben den einzelnen, ohnehin schon prunkvollen Tracks einen epischen Gestus. Wenn Bratsche und Geigen sich nicht gemeinsam mit den Gitarren wie Kaugummi in die Länge ziehen, folgen sie mimetisch dem Gesang Legrands. Der Clou des Albums ist das Agglutinieren mehrerer Klangebenen zu einem voluminösen, wandelbaren Sound, der sich wie ein Kaleidoskop in ständiger Bewegung hält. Während »Superstar« beispielsweise ein starkes Nicken zu den Beach House typischen Dreampop Referenzen der Achtziger und Neunziger ist, erinnert »Sunset« mit einer akustischen Gitarrenmelodie an eine Freak Folkinterpretation wie man es sonst von Weyes Blood kennt. Wo genau ein Klangelement in den Song anfängt und wieder aufhört, ist schwer zu sagen – alles hängt mit einer surrealistischen Elastizität zusammen, die nicht zuletzt die psychedelischen Tagträume zu dem im Kopf ausgedachten Lieblingsfilm füttert.

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