Review

Benedikt Frey

1987

R.i.O. • 2022

Benedikt Frey ist schon lange dabei. Seit über einer Dekade produziert der Wahlberliner solo und beispielsweise mit Nadia d’Alo als INIT Musik, was zuletzt in einem Panorama-Bar-Gig gipfelte. Mit »1987« veröffentlicht er nun keine EP und kein Album, sondern eine Minialbum auf seinem eigenen Label R.i.O. Auf den sechs Tracks geht es langsam und anmutig zu, großformatig vertont Benedikt Frey das titelgebende Jahr und dessen surreale Aufbruchsstimmung, die die endgültige Globalisierung, das unaufhaltsame Schrumpfen der Distanzen auf dem Erdenrund bereits witterte. Diesem konzeptuellen Überbau begegnet Frey mit Musik, die Kraut- und Dub-Momente auffährt und organisch, anschmiegsam und warm klingt. »ORI« beispielsweise ähnelt in seiner beatlosen Unbestimmtheit manchen Nicolas-Jaar-Nummern, die ersten beiden Stücke wecken mit ihren schwerfälligen Beats und dem aufgeräumten Sounddesign Assoziationen mit Tolouse Low Trax, obwohl »Trencher« noch tiefer in den Trip-Hop-Graben fällt. »Attitude« setzt auf ein großmäuliges Vocal-Sample, unter dem sich tief im Mix Cowbells und eine letztlich klar dominierende Bassline um die Vorherrschaft streiten. Auch in »Dummy« rumort eine sture Bassline gewaltig, freiförmiges Getröte irrlichtert darüber umher. »Steam« lässt die Kickdrum weitestgehend gerade durchklopfen, dazu gibt’s schiefe und deshalb so attraktive Piano-Chords und geisterhafte Pads. Der Endpunkt eines Minialbums, das wohl nicht zufällig seltsam weltfremd klingt, mit kurzen, aber wirkmächtigen Melodien aber immer wieder szenische Momente anbietet.