Das Wasser im Glas neben dem Bett ist nicht erst seit dieser Nacht abgestanden. Der Körper braucht Licht, aber draußen ist es zu hell.
Bei Carrie DeCunzo Mirande klingelt der Wecker erstickt in weitester Ferne, sie umgibt sich und uns, die Hörenden, mit nichts als ihrem Schatten, der in den Raum geworfen wird von einer Sonne, unter der es nichts Neues gibt.
Auf genau einer halben Stunde zieht die Pianistin, Sängerin, ›Computer-Musikerin‹ Mirande rein in die Isolation. Die Hunde bellen draußen, die Vögel zwischen draußen—gerade noch hörbar hinter stinkendem Verkehr—, man selbst ist drinnen, drinnen, drinnen, sowas von drinnen. Vier Stücke lang nur Töne und Poesie, Bleepen und Dröhnen, vielleicht war es der Espresso, vielleicht ist es eine Panik-Attacke.
Mirande hält die Anschläge ihrer Klänge lange. Alles andere würde zu sehr hochziehen. Alles bleibt bedeckt. Und manchmal singt sie. Ihr Gesang schlägt in die vom Sound-Bild geschaffene Kargheit ein. Man will sich flüchten in seine Weichheit, Zartheit, endlich Menschlichkeit!, aber was man findet ist vor allem: mehr Traurigkeit. My Shadow ist unerbittlich in seiner Konsequenz, aber auch an gar keiner Stelle nur den Funken von Freude aufkommen zu lassen. Jetzt schnell ein Schokolädchen.

My Shadow