Lange bevor der Begriff »Klangkünstler:in« erfunden wurde, hat Christina Kubisch als solche gearbeitet. Seit den 70er-Jahren beschäftigt sie sich mit Soundinstallationen und elektroakustischer Komposition. Jetzt gibt die 78-Jährige ihr Albumdebüt auf Jan Jelineks Label Faitiche. Man muss nicht unbedingt wissen, wie die Musik auf Tuning entstanden ist, aber Kontext kann ja bei der Musikrezeption nicht schaden.
Für die drei Kompositionen, die zwischen 2004 und 2024 aufgenommen wurden, wählt Kubisch jeweils eine andere Herangehensweise. »Diapason« wurde mit 15 Stimmgabeln aufgenommen, »Gaming In Silence« in den Serverräumen des ZKM Karlsruhe und dessen Sammlung mit Vintage-Computerspielen, und »Two Persons Walking Through A Street In Madrid« bei einem »Electrical Walk« durch Madrid, einem Spaziergang, bei dem elektromagnetische Wellen mit speziellen Kopfhörern in Klänge umgewandelt werden. Kubisch macht das Unhörbare hörbar, das Leise laut, das Nichtmusikalische zu Musik. So entstehen Werke, die unabhängig von ihrem spektakulären Entstehungsprozess Verbindungslinien zu so unterschiedlichen Künstlern wie John Cage, Brian Eno und Jim O’Rourke herstellen.

Tuning