Liebe geht immer. Oder? Man mag dem Satz empfehlen, sich auf einen Glückskeks-Zettel zu verkrümeln, während wir Listen gebookmarkter Substack-Essays zum Ende der romantischen Liebe tauschen. Aber die Zahlen. Einer Studie zufolge haben sich mehr als zwei Drittel der US-Top-40-Songs zwischen 1960 und 2010 mit Liebe beschäftigt. Nur ein halbes Prozent mit dem Okkulten, btw.
In einer besseren Welt wäre Dyke Den, das Debüt-Album des amerikanischen Duos und Ehepaars Darlyyn (Daria Lord und Jaelynn Walls), mindestens in der Nähe solcher Chart-Positionen. Denn diese 35 Minuten groovende Ode an die queere Liebe mit ihrem Mix aus Disco, Bass-Musik, Chicago House, R’n‘B und Soul ergibt vielleicht das Album des Jahres. Walls singt über emotionale wie körperliche Nähe, beginnt mit den flirty Vibes des Kennenlernens auf dem Bass-Track »Make Yr Move«, spendet Sicherheit und Nähe auf dem souligen Houser »The Feeling«, der sich irgendwo zwischen Mr. Fingers und Thundercat breitmacht, bevor Liebe so naiv wie pur auf »Like A Summer« besungen und betanzt werden darf. Lord hat als Bored Lord schon einige Releases produziert und veröffentlicht und ihr Gespür für euphorische Dance-Musik, die den Schweiß auf der Haut direkt mitdenkt, hat sich nie besser gezeigt. Ein Album, das sich und seinen Protagonistinnen den Raum holt, den es verdient.

Dyke Den
