Review

DJ Shadow

The Less You Know the Better

Island • 2011

Wir hatten es nicht mehr erwartet. Nach seinem dritten Album The Outsider war der Sample-Meister quasi von der Produzenten-Bildfläche verschwunden. Das ausgedehnte Touren erlaubte keine Zeit für neues Material. Und seinem neuen Album The Less You Know The Better nach zu urteilen, auch keine Zeit, nach links und rechts zu horchen. Denn in den letzten Jahren ist im Beat-Sektor so viel passiert, wie seit den 1980er Jahren im Hip Hop nicht mehr. All das scheint an DJ Shadow spurlos vorbei gegangen zu sein. The Less You Know The Better ist eine Mischung aus dem Pop-Appeal des letzten Albums und dem alten, von allen Shadow-Hörern der ersten Stunde (zu recht) heiliggesprochenen, genredefinierenden Sound seines Debüts Endtroducing. Das lässt im ersten Moment aufatmen. DJ Shadow präsentiert funky Beats, gerne auch verkästelt und immer einen guten Boom Bap im Breakbeat versteckend. Im zweiten Moment jedoch fällt die Lücke auf, welche sich durch alle Stücke zieht. Nachdem er auf The Private Press die Grenzen des Sampling ausloten und mit The Outsider seinen gesamten Musikgeschmack in einen Raum drängen wollte, möchte er diesmal um jeden Preis wie eine Band klingen – und ergeht sich technikversessen in sehr bodenständigen Kompositionen und einer zutiefst unspektakulären, teils überraschend einfallslosen Sample-Nutzung. In der Lücke saß bei Endtroducing übrigens einst der Soul.