Review

Elektro Guzzi

Clones

Makro • 2016

Das Wiener Trio Elektro Guzzi zählte einmal zu den Vorreitern der akustischen Techno-Produktion. Will sagen, die Musiker erzeugten an Gitarre, Bass und Schlagzeug einen Sound, bei dem man weder merkte, dass er von Instrumenten stammte, die von Hand gespielt wurden, noch dass man genau sagen konnte, was für Instrumente dabei im Einzelnen beteiligt waren. Auf ihrem inzwischen sechsten Album »Clones« ist diese strikte, fast akusmatische Vorgehensweise aufgehoben, das Schlagzeug trommelt entspannt in oft typischer Schlagzeugmanier, man hört deutliche Gitarrenlinien heraus, und selbst der Bass versteckt sich nicht als Zupfinstrument. Auch rhythmisch hat sich der Fokus leicht verschoben. So erinnern manche Stücke weniger an Clubtracks als an die krummen Rhythmen von Burnt Friedman Zu »Clones« haben Elektro Guzzi gleich ein Pamphlet hinzugeliefert, in dem sie das Klonen heutiger Obstsorten einschließlich der dafür zum Einsatz kommenden Techniken beschreiben. Das ist informativ, unter anderem erfährt man, dass Bananen (natürlicherweise) leicht radioaktiv sind. Dieser Überbau kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die einstige Techno-Tanzkapelle beim bloßen Hören den Eindruck ästhetischer Orientierungslosigkeit macht. Der alte Ansatz wurde aufgeweicht und erweitert, das aber um den Preis einer leichten Beliebigkeit. Dass sie sich selbst nicht ständig klonen wollen, ist verständlich, doch man fragt sich ein bisschen, wohin die Reise von hier noch gehen soll.

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Elektro Guzzi
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