Wie nähert man sich Musik eigentlich an, wenn man sie studiert? Ist ein zu theoretischer Zugang ein Hindernis, oder eröffnet er überhaupt erst die Möglichkeit, ihre Potenziale jenseits offensichtlicher Grenzen zu wecken? Oft entsteht der radikalste und abenteuerfreudigste musikalische Ansatz jedoch gerade dort, wo Konventionen nur allzu gut bekannt sind. Der belgische Bassist Nils Vermeulen hat durch sein Studium des Instrumentenbaus eine weitere Perspektive dazugewonnen. Sie zeigt sich deshalb auch in der haptischen und räumlichen Musik, die er gemeinsam mit der Violinistin und Klangkünstlerin Elisabeth Klinck improvisiert und komponiert.
Das ist sehr körperliche und greifbare experimentelle Musik, die – wie in »Silence« oder dem Titelstück »Pioen« – durch Stimmlaute und knarziges Instrumentenspiel in den Raum hineinragt, sodass jedes Zupfen und jede Bewegung vor dem inneren Auge sichtbar wird. Mit nicht mehr als ihren beiden vertrauten Arbeitsgeräten entsteht eine stark entkernte Variation avantgardistischen, minimalistischen Kammer-Jazzes, die sich in Stücken wie »Undulatus« sogar eine Prise Dramatik erlaubt.

Pioen
