Geinoh Yamashirogumi ist vor allem für ihre Filmmusik zum ikonischen Anime Akira aus dem Jahr 1988 bekannt. Die »Yamashiro-Gruppe der Darstellenden Künste« wurde 1974 von dem, äh, Agrarwissenschaftler Tsutomu Ōhashi alias Shōji Yamashiro gegründet und widmete sich ursprünglich dem Gamelan, bevor sich der Fokus erweiterte und zwischen 1976 und 1988 buchstäblich Hunderte von Musiker:innen an den verschiedenen Veröffentlichungen mitwirkten. Obwohl die Gruppe nie offiziell aufgelöst wurde, hat das erneute Interesse an transkulturellem Ambient aus dem Japan der 1980er-Jahre sie wieder bekannt gemacht. 輪廻交響楽 = Ecophony Rinne war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Symphonic Suite Akira und blieb seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1986 vergriffen.
Noch mehr als japanische Kolleg:innen wie Midori Takada stützten sich Geinoh Yamashirogumi stark auf verschiedene folkloristische Traditionen und nutzten diese als Ausgangsmaterial für einen musikalischen Ansatz, der mit Jon Hassells Fourth World im Dialog zu stehen schien. Da selbst MIDI-Technologie nicht in der Lage war, die rhythmische Komplexität von Gamelan originalgetreu wiederzugeben, versuchten Ōhashi und seine Mitstreiter:innen, die Klänge traditioneller Instrumente mit elektronischen Mitteln nachzuahmen und sie mit einer Fülle verschiedener Feldaufnahmen und Samples aus verschiedenen Teilen der Welt zu kombinieren. Doch wird Ecophony Rinne vor allem von der einfallsreichen Verwendung und Rekombination verschiedener Gesangstraditionen dominiert.
In vielerlei Hinsicht wirkt Ecophony Rinne wie die Destillation einer bestimmten Strömung in der westlichen wie auch der japanischen Musik der 1980er-Jahre – wie die aufwendigste, schier kolossalste Umsetzung eines Plans, mittels Musik die Kategorien von Zeit und Raum zu sprengen. Dieses Album ist mehr als nur ein Vorläufer der Symphonic Suite Akira, es ist eine der seltsamsten und faszinierendsten Platten aller Zeiten.

Ecophony Rinne