Die britischen Guapo sind wackere Wiedergänger des Prog-Rock, der ja ebenso wie andere bewährte Spielarten des Rock oder Genres wie Deep House heute immer noch seine Existenzberechtigung hat. Seit 20 Jahren verfolgt die Band um den Schlagzeuger David Smith, dem einzigen konstanten Mitglied, ihren Weg in der Nachfolge von Bands wie Magma, Soft Machine oder King Crimson. »Obscure Knowledge«, eine Art Jubiläumsalbum in Gestalt einer 43-minütigen Großkomposition in drei Teilen, bleibt dieser Richtung im Großen und Ganzen treu, zeigt aber zugleich eine starke Nähe zum Minimalismus und stellenweise sogar zu Drone. Neben dissonant-eckigen Gitarren- und Keyboardfiguren über komplexen Polyrhythmen gibt es auch Passagen, in denen die Musiker einzelne Akkorde über längere Strecken einfach wiederholen und die Spannung sehr bedächtig aufbauen. Teil zwei beruht sogar auf einem langgehaltenen Dudelsackbordun, zu dem sich weitere Pfeifentöne hinzugesellen. Für Progger der ersten Stunde könnte das schon eine ernsthafte Geduldsprobe bedeuten, Hörer mit Postrock-Sozialisation dürften diese repetitiven Abschnitte hingegen mühelos goutieren können. Ein bisschen Zeitreise-Charakter hat »Obscure Knowledge« durchaus, doch man lässt sich nur zu gern mitnehmen.
Richard Pinhas
Chronolyse
Cuneiform




