Das Wort »gefühlvoll« meint eine bestimmte Ästhetik, die man nicht unbedingt mit dem brutalen Noise-Rock der Band Prostitute in Verbindung bringen würde … Doch voller Gefühl ist diese Musik allemal!
Ja, nicht nur der Name dieser Gruppe aus der US-Stadt Dearborn ist doll, nicht nur der Titel ihres Debütalbums Attempted Martyr, sondern auch ihr Sound: aggressiv und blutig ist er, man hat es hier mit einem heftigen Wall of Sound zu tun, bei dem man viele Klänge kaum noch zuordnen kann. Sind das Gitarren? Oder schreiende Schweine? Man weiß es nicht.
Attempted Martyr ist ein 42-minütiges Crescendo; die Intensität bleibt die ganze Zeit oben – zu sagen, das sei provokative Kunst, wäre untertrieben –, trotzdem nimmt die Platte verschiedene Formen an. Vor allem ihre Einflüsse aus arabischer Musik machen Prostitute zu einer so einmaligen Band, immer wieder tauchen Klänge aus Afrika und dem Mittleren Osten auf. Manchmal klingt die Gruppe wie eine Hardcore-Version von Mdou Moctar.
Experimentell sind Prostitute allemal, doch das nimmt ihnen nicht einmal ansatzweise etwas von ihrer Körperlichkeit. Ältere Noise-Rock-Fans fühlen sich an Swans erinnert, jüngere vielleicht an Chat Pile. Doch inhaltlich lassen sich Prostitute kaum vergleichen: Sie erzählen von Terror, vom Untergang der westlichen Welt, von Rassismus. Sie selbst beschreiben die Platte als »Theatralisierung von Terrorismus«. Es ist definitiv schwer, etwas zu bewerten, das einen dermaßen zerbersten will. Doch die Platte macht süchtig.

Attempted Martyr