Review

Guests

I Wish I Was Special

World Of Echo • 2024

Sie räuspert sich. Dann rumpelt der Drum-Computer los, das Keyboard spielt schummerige Melodien und sie freestylt drüber – aber freestylen natürlich im Sinne von Kunststudierenden, nicht im Deine-Mutter-typa-way. Guests sind aus Glasgow zu Besuch. Glasgow, eine der Musikhauptstädte Europas – viel tolle Exportware von dort – und das Duo aus Jessica Higgins und Matthew Walkerdine ist da keine Ausnahme. Wenn man sich »I Wish I Was Special« anhört, würde man in punkto Band-Herkunft wahrscheinlich erstmal auf Brighton tippen. Damit ist das erste Kompliment schon gemacht. Weitere folgen und sie kommen ganz einfach. Das Duo macht ihre Musik selber und vor allen Dingen spürbar spontan. Dieser DIY-Synth-Pop-Ambient muss im Tun entstanden sein, Higgins assoziiert und dichtet sich durch ihre ~Strophen~, die Melodien entstehen langsam und bleiben flüchtig. Im Hintergrund immer wieder Straßengeräusche, Geschirr, Gesprächsfetzen. Es entsteht dadurch eine große Intimität – und Müdigkeit; die Wolken verziehen sich nicht, die Plörre ist kalt geworden im Gefäß, der Synth-Anschlag kippt nach unten weg, jemand droppt beiläufig einen Joke. Gegen Ende erst verliert sich »I Wish I Was Special« zunehmend in dem, was die meiste Zeit davor den Charme des Albums ausmacht: die Unentschlossenheit, das Vortastende, der unbedingte Wille, krumm zu bleiben.