Review

Jay Glaze

Operation Clam Dust

Chopped Herring • 2016

Chopped Herring Records aus dem britischen Manchester ist ein Beat-und-Rap-Eldorado. Sein Labelkatalog führt übergangene Perlen des New Yorker Rap-Undergrounds der Neunziger. Und die wenigen Releases eines gewissen Jay Glaze – eines DJs, der sich übergangener Perlen annimmt und sie ohne Rücksicht auf Verluste in den Dienst seiner Mixes stellt. Seine »Operation Clam Dust« ist in den Jahren 2005 bis 2008 entstanden, als inoffizieler Nachfolger des berüchtigten Albums »Three Sinister Syllables«. Die vier Seiten seiner Doppel LP funktionieren als Mixtape in vier Episoden – und sind dabei weder technische Werkschau noch irgendeiner sonstwie gearteten Hit-Dichte verpflichtet. Sie kommen ohne »Jiggar-Fraggar«-Nervosität aus, zeigen sich ansonsten aber wahnwitzig und wagemutig als angenehm übderdrehtes Cut-and-Paste-Inferno. Von detailverliebten Intros eingeleitet setzen die Mixes auf Funk und Jazz abseitiger Ausrichtungen und auch sonst auf alles, was Groove beweist – mit Betonung auf alles. Auch B-Movie-Schnipsel und Radio-Jingles finden Verwendung, als Word Cut inszenierte Cameos mehr oder weniger berühmter MCs ebenso. All das gibt der Platte eine filmische Anmut und kurzweligen Drive. Kool Keith, R.A. The Rugged Man und die Dilated Peoples schauen dabei mal in »Run´s House« vorbei, während »the smooth criminal on beat breaks«. »Operation Clam Dust« ist ein ständiges Neben- und Übereinander – und ein Wahnsinnsmix.