Review

Kate NV

WOW

RVNG Intl. • 2023

Klänge sind zum Spielen da. Über die Binsenweisheit hinaus, dass Musik immer gespielt werden muss, egal ob von Menschen oder Maschinen, hat dieser Satz bei Kate Shilonosova alias Kate NV eindeutig programmatischen Charakter. Spielen bedeutet bei ihr nicht allein Interpretieren, sondern auch Herumspielen, macht das Spielerische im Umgang mit Klängen zu einem ihrer Hauptanliegen. Wie der Titel »WOW« zum Ausdruck bringt, beginnt Kate NV auf diesem Album zunächst mit dem Staunen über das Material, das sie vorfindet. Das sind in ihrem Fall die »Broken Orchestra«-Samples, die einst über die Musikerorganisation Found Sound Nation für ein Remix-Projekt online zur Verfügung gestellt wurden. An diesen wird dann gründlich herumgearbeitet, sie geraten zudem in Gesellschaft von heiteren Synthesizer- und Drumcomputersounds. Mit kindlich anmutender Neugier scheint sie an die Dinge heranzugehen, lässt die Resultate so wirken, als habe jemand zum ersten Mal Orchesterklänge und anderes entdeckt und diese unvoreingenommen zu freundlich pluckernden, kieksenden und piepsenden Miniaturen verarbeitet. Die vermeintlich naive Welt, die sich da auftut, ist einerseits nicht so unbedarft, wie sie tut, andererseits passt sie zum ernsteren Anliegen, das sich mit der Platte verbindet. Von den Erlösen spenden das Label und die russische Künstlerin einen Teil an die Initiative War Child, die Hilfe für Kinder in Kriegsgebieten leistet.