Die Entstehungsgeschichte von African Skies liest sich fast abenteuerlicher, als die Musik sich anhört. Das Album wurde 1993 aufgenommen, aber erst 2010 veröffentlicht. Seitdem gilt es als später Meilenstein des Spiritual Jazz, für den teils astronomische Preise aufgerufen werden. Das Bild der Astronomie passt, weil die Musik als Auftragsarbeit des Adler Planetariums in Chicago gedacht war – zur Untermalung eines Multimedia-Programms namens African Skies, das Fotos aus afrikanischen Observatorien zeigte. Für den Multiinstrumentalisten Kelan Philip Cohran war die Verbindung von Afrika, Kosmologie und Musik nichts Neues. Seine Lektion Afrofuturismus hatte er Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahre beim Sun Ra Arkestra gelernt und später mit dem Artistic Heritage Ensemble sowie mit The Hypnotic Brass Ensemble als Leader ausgebaut.
Die Musik auf African Skies mutet geheimnisvoll, mitunter psychedelisch an und weist weit über den Spiritual Jazz hinaus. Das liegt zum einen an der Besetzung. Zwei Bassisten, zwei Harfen, diverse Percussioninstrumente und Cohran selbst an Trompete, Gitarre, Flöte, Violine, Percussion und dem Frankophone – einer selbstgebauten elektrischen Kalimba – gehören nicht unbedingt zur typischen Instrumentierung einer Jazzband. Zum anderen hat Kelan Philip Cohran stets das afrikanische Erbe des Jazz in den Mittelpunkt seiner Musik gestellt, so auch hier.
Doch wie alle großen Neuerer programmiert er die Vergangenheit so um, dass sie auch in der Gegenwart Gültigkeit besitzt. Cohran widmete African Skies seinem Mentor Sun Ra, der nur wenige Wochen nach den Aufnahmen starb.

African Skies