Review

Kelly Moran

Moves In The Field

Warp • 2024

»Conversations With Myself« nannte der Pianist Bill Evans 1963 ein Album, auf dem er im Mehrspurverfahren drei verschiedene Klavierparts pro Stück gleichzeitig spielte. Ein Tonband brauchte Kelly Moran für ihr aktuelles Album nicht. Ihr stand ein Yamaha Disklavier zur Verfügung, ein akustisches Klavier, mit dem man sein Spiel aufnehmen und wiedergeben kann, eine Art modernes Player Piano. Moran wollte damit ein Duett für sich und einen Kollegen entwickeln. Die Pandemie zwang sie zum Umplanen. Auf ihrem Album »Ultraviolet« von 2018 hatte sie noch mit präpariertem Klavier und elektronischen Effekten gearbeitet, jetzt ist das Instrument zumindest klanglich unbearbeitet. Kelly Moran hat die Möglichkeiten des Klaviers so genutzt, dass sie nicht nur einen Dialog mit sich selbst führt, sondern im Sinne einer „Augmented Reality“ oft über das hinausgeht, was sie mit zwei Händen erreichen kann. Es gibt Akkorde, die mehr als 10 Töne haben oder deren Töne so weit auseinander liegen, dass sie von einer Person allein nicht zu greifen sind, ebenso wie nachträglich beschleunigte Patterns. Das Ergebnis prahlt nicht mit diesen Leistungen, macht sie nicht zu Gimmicks. Vieles von dem Übermenschlichen, das in »Moves in the Field« steckt, merkt man beim Hören kaum. Der ganze Sound ist introspektiv, selbst dort, wo Moran das Tempo anzieht. Technik im Dienste der eigenen poetischen Ideen, dagegen ist nichts einzuwenden.