Review

Klez.e

Erregung

Windig • 2024

Texte mit dem Kajalstift auf Spiegel geschrieben und Gitarren aus dem tiefsten Keller: Bei Klez.e stellt sich nicht erst mit »Erregung« die Frage, was eigentlich Original und was Kopie ist. Schon mit dem Vorgänger »Desintegration« wandelten Tobias Siebert und Band auf den nebulösen Pfaden von The Cure – nur eben mit deutschen Texten. Vorbei waren die Tage des launigen Indierock. Und nun also das zweite zappendustere Kapitel dieser Geschichte mit der Platte »Erregung«. Acht Songs, knietief im Weltschmerz, mit stoischem Schlagzeug und schwelgerischen Synthies. In »Herbstherz« darf dafür eine Melodie durch den Song wandeln, die aus dem Schloss des Grafen Dracula entwichen ist. Und nach sieben Stücken dieser Art kommt mit »Nachtflug« der perfekte Abschluss. Hier erinnern Klez.e plötzlich an Joy Division, verzerrte Stimmen und Effekte dürfen durch das Stück geistern und alles entwickelt einen hypnotischen Sog – ganz ohne explosive Klimax. Und vielleicht darf »Erregung« gar nicht neben einem Album von The Cure stehen, vielleicht darf das nie der Maßstab sein, sondern das Ganze ist eine Hommage, ein schwebender kleiner Albtraum, der nur nie für Robert Smith bestimmt war. Denn Klez.e haben genug eigene Momente, um »Erregung« zu einer Klez.e-Platte zu machen. Weltschmerz haben sie nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Mecklenburg-Vorpommern.