Review

Lambchop

Flotus

City Slang • 2016

Lambchop-Fans, haltet euch an euren Truckercaps fest: Kurt Wagner hat Autotune entdeckt – und singt auf dem mittlerweile zwölften Album konsequent im Stile kontemporärer R’n’B- und Hip Hop-Tracks! Schluss also mit dem heimeligen Country-Folk seiner Band, denn die instrumentelle Basis der Songs sollte natürlich zum verfremdeten Gesang passen. Folglich ersetzen elektronische Beats immer mehr das Schlagzeug und Gitarren verschwinden zunehmend aus dem Klangbild bis zum gut 18-minütigen Mammut-Schluss »The Hustle«. Trotzdem klingt »Flotus« bei weiten nicht so artifiziell und verstörend wie z.B. Bon Ivers Experimente mit dem Gesangseffekt auf »22, A Million«, sondern bleibt im Gegenteil ganz nah an der Atmosphäre, die die Band schon immer heraufzubeschwören wusste. Hier will sich niemand komplett neu erfinden. Der Märchenonkel schreibt weiter handfeste Songs. Der nun eingeschlagene Weg führt letztendlich wieder zum eigenen Ursprung zurück. Nicht der veränderte Sound ist also das Überraschendeste, sondern eben genau das: obwohl oder besser gerade wegen Autotune ist Wagners Stimme so intim und präsent wie selten und auch mit veränderten Mitteln mäandern die Songs meist sanft dahin, ohne zum bloßen Hintergrundgeräusch degradiert zu werden. Dass »Flotus« den Country-Ansatz vergangener Tage, der in schwachen Momenten in schunkelige Harmlosigkeit verfiel, so souverän bricht, ohne die Seele von Lambchop aufzugeben, ist wohl das Erfreulichste am neuen Werk.

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