Der Albumtitel Possible Utopias for Jazz Quintet ist schon mal zur Hälfte gelogen. Das behauptete Jazz-Quintett besteht nämlich im Kern aus Laurence Pike selbst, seinem Schlagzeug und seinen elektronischen Gadgets. Aber die Lüge wird durch die versprochenen positiven Utopien wieder wettgemacht. Der australische Schlagzeuger, der unter anderem Mitglied von einem halben Dutzend experimenteller Bands war oder ist – die prominentesten sind PVT und Liars –, zeigt tatsächlich ein paar Utopien auf, nicht nur für den Jazz, sondern für alle möglichen Stilrichtungen der experimentellen Musik.
Eine Utopie wäre zum Beispiel, einen simplen, flächigen Ambient-Loop mit hochkomplexer Percussion zu unterlegen und das in einen tribalen Beat übergehen zu lassen, bevor zum Schluss ein Altsaxofon ein paar Akzente setzt. Oder die perkussiven Zufallsmuster der europäischen freien Improvisationsmusik von einem straighten, dumpfen Beat begleiten zu lassen. Oder Erik Satie am Piano mit dunklen Soundfiles von Actress zu beschießen. So kann jede:r die persönliche musikalische Utopie aus diesem Album für sich reklamieren.

Possible Utopias For Jazz Quintet