Lucas Santtana

O Deus Devasta Mas Também Cura

Mais Um Discos • 2012

Wenn man der NY Times Glauben schenkt, haben wir es hier mit einem der aktuell besten Musiker und Singer/Songwriter zu tun, die Brasilien zu bieten hat. Auf seiner Homepage brüstet man sich mit dem Vergleich zum bahnbrechenden 1959er Album »Chega de Saudade« von Joao Gilberto, das gemeinhin als Ursprung des Bossa Nova zählt. Und damit, dass der Versuch so vieler Musiker diesem nachzueifern bislang meist nur fahle Imitationen hervorgebracht hat. Die meisten Künstler scheuen derlei Vergleiche, die, gerade beim Brückenschlag über mehrere Dekaden, nur sehr eingeschränkt Wertigkeit besitzen. Im Falle von Lucas Santtana würde ich aber so weit gehen ihm davon abzuraten derart schwere Geschütze aufzufahren, wenn man Schwarzpulver nur vom Hörensagen kennt. Ob er sich nun im Falle von »O Paladino e Seu Cavalo Altar« des Afrobeats bedient, sich mit »Se Pá Ska. S.P.« am Ska versucht oder sich bei »Ela É Belém« gar an Reggaeton herauntraut, klingt es jedes mal so als hätte er einfach nur auf den jeweiligen Demoknopf seiner Farfisa-Orgel gedrückt. Ganz egal an welchem Musikstil er sich auch vergreift, singt er dazu noch in einer Tour mit dem gleichen Tonfall darüber hinweg. Zugegebenermassen funktioniert diese naiv-melancholische Stimme ganz gut bei den Balladen als auch dem kapverdisch angehauchten Bossatrack »Dia de Furar Onda no Mar«. Für den Rest sollte er sich beim nächsten Mal aber besser Gastsänger einladen. Und wenn man schon dabei ist würde ich gleich noch den Gitarristen austauschen. Solange kann man diesem vermeintlichen musikalischen Wunderknaben wohl nur den mediokersten und überbewertetsten Beitrag der letzten Monate attestieren.