Review

Lucy and Klock

War Lullaby

Stroboscopic Artefacts • 2015

Trifft Luca Mortellaro auf seinem eigenen Label auf Ben Klock kommt das einem intergenerationalen Zusammentreffen mit Schwerpunkt Berlin gleich. Genauer gesagt treffen sich die beiden DJs und Produzenten in diesem einen Club am Wriezener Bahnhof 3, um den sich das Feuilleton ebenso wie Rave-Fans beständig den Mund fusselig palavern. Klock ist eine alte Berghain-Legende, Mortellaro ist fünf Jahre nach Gründung seines Labels Stroboscopic Artefacts ein gern gesehener Gast im unteren Floor. Stilistisch gesehen können sich Klock und der Wahlberliner Mortellaro sicherlich auf die Macht einer kraftvollen Techno-Kick einigen. Während aber sich Klock in seinen DJ-Sets und eigenen Produktionen auf Geradlinigkeit und sich langsam entfaltende Strukturen setzt, zeigt sich Mortellaro sowohl in seinen eigenen Produktionen als Lucy, in Kollaboration mit Speedy J als Zeitgeber oder bei der Kuration seines Labels abenteuerlicher. Eine gemeinsame EP der Beiden kommt also trotz aller äußeren Gemeinsamkeiten unerwartet und das Ergebnis könnte spannend ausfallen. Der Opener »Bliss« zeigt sich noch als harmlose Plinkereinheit, die beatlos dahinschwebt. Bassline und Melodie kosten hier eine der halluzinogenen Möglichkeiten von Klang aus und schaffen Räumlichkeit, wo keine sein kann. Ein starker, wenngleich nicht zwangsläufig innovativer Auftakt, auf dem mit dem Titeltrack eine noch psychedelischer Episode folgt. An Krautrock gemahnende Synthies zittern durch den Mix, darüber murmelt eine sonore, gepitchte Stimme Unverständliches bis der Beat einsetzt. Der legt vier auf den Flur und fällt ansonsten nicht weiter auf. Interessanter gebärdet sich da der Stop-and-Go-Beat von »Santeria«, einem muffigen Stück kosmischen… Outsider Technos? Sollte das zum Begriff werden (hoffentlich nicht), so fällt das wiederum beatlose Drone-Stück »A Ghost Lovestory« sicherlich nicht drunter. Hauntologischer Ambient zum Abschluss, ein schönes Tool für jemanden wie Klock, der das Build-Up gern mal so lang wie nur möglich streckt. »War Lullaby« ähnelt Klocks Sets und Lucys Signature Sound insofern, als dass sie sich nicht gerne anbiedert. Das ist sympathisch, die Sympathie allein macht diese EP jedoch noch nicht zu einem großen Wurf. Mortellaro und Klock einigt eben nicht genug, um ihre musikalischen Ansätze zu einem gelungenen Ganzen verschmelzen zu lassen.