Von »Einen alten Baum verpflanzt man nicht.« bis »Nur die Harten kommen in den Garten.« gibt es unzählige, mehr oder minder sinnvolle Sprichwörter über Natur und Pflanzenwuchs. Dass das ursprünglich südafrikanische Gewächs Lucy Kruger in den letzten bald zehn Jahren erfolgreich Wurzeln in Berlin geschlagen hat, dürfte langsam offensichtlich sein. Schließlich erscheint mit Pale Bloom nun bereits das siebte Album – und das ist, der Titel deutet es bereits an, vollgestopft mit Natur- und Gartenmetaphern. Es geht ums Säen und Wachsen, um Regen und Dürre, um Dickicht und Wälder – natürlich alles, um persönliches Wachstum und Erwachsenwerden zu symbolisieren. Daneben greift Kruger in ihren Lyrics zu Bibelverweisen (für irgendetwas muss die religiöse Erziehung ja gut sein …) oder verspinnt Assoziatives.
Zusammen mit ihren Lost Boys vereint Kruger viele verschiedene musikalische Einflüsse: vom dunkel knisternden Folk-Rock im Stil von PJ Harvey über cineastischen Art-Rock und brachialen Slowcore bis hin zu elektronischen Drone-Experimenten wie »Animal / Symbol«. Letztlich kommen handfeste Songs dabei heraus, die sehr deutlich Krugers Handschrift tragen: reduziert und zugleich atmosphärisch dicht, sperrig und doch eingängig. Die überschaubaren Mittel werden so kunstvoll wie einfallsreich eingesetzt, dass die letzte Zeile des Albums – »Don’t forget me« – wohl recht einfach zu beherzigen sein dürfte. Manche Gärtner sind der Ansicht, dass unter Idealbedingungen gewachsene Früchte per se weniger Geschmack haben, Süße und Aroma also erst durch widrige Einflüsse entstehen. So gesehen könnte die nicht nur freudige Kindheit von Lucy Kruger durchaus einen Einfluss auf die Qualität ihrer Songs haben.

Pale Bloom