Review

Max Goldt

L’Eglise des Crocodiles

Gargarin • 2011

Wer wie der Rezensent Max Goldt bisher ausschließlich als Titanic-Kolumnist, Comictexter (Katz & Goldt) und Kleist-Preisträger kannte, kann durch diese überaus interessante Wiederveröffentlichung die musikalische Seite von Goldt entdecken. Und wer die musikalische Seite bereits kennt, der freut sich, dass die lange vergriffene 10-inch L’Eglise des Crocodiles, flankiert von sechs bisher unveröffentlichten Stücken, nun wieder zu haben ist. Bereits 1983 auf Gagarin Records erschienen, handelt es sich hierbei um elektronische Miniaturen, Klangcollagen und surreale Mini-Hörspiele. Im typisch Goldt’schen Sprachduktus werden Texte über den Symbolcharakter von Baumpflanzungen, die kritische Distanz von ironischem Lächeln, die leichte Löslichkeit moderner Pulver (Kakao, Sprengstoff) und nervige Sprichworte der Elterngeneration vorgetragen. Doch auch die Intrumentalstücke wissen mit minimalen Mitteln, wie Zither und Gitarre plus Effektpedale, zu überzeugen, so dicht und stringent klingen die kurzen Geräuschkompositionen. Obwohl die Aufnahmen aufgrund ihrer Entstehungszeit ein gewisses DAF-Feeling umweht, klingen sie durch den mitschwingenden Glauben an Modernität erstaunlich frisch und aktuell.

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