A.K. Klosowski

Plays The Kassetteninstrument

Gagarin Records • 2016

Driftende Tape-Sounds aus dem Archiv, Dub-Effekte, alte Drumbox: eine Art hauntologischer Electro im ausgeklügelten DIY-Setup? Klingt nach Nick Edwards, der als Ekoplekz damit vor zwei Jahren auf Editions Mego und Planet µ landete. Ein wenig gespenstisch ist es schon, dass Arnd Kai Klosowski im Jahr 2003 kurz auf einer ZickZack-Compilation unter dem Namen »Echoplex« auftauchte (und eine gleichnamige CD-R auf Ata Tak veröffentlichte). Da war sein bis dahin einziges Album »Home-Taping is Killing Music«, im Duo mit Pyrolator bereits volljährig. Dessen Titel griff einen Slogan der British Phonographic Industry auf, der damals oft abgewandelt wurde, hier jedoch verbatim in satter Ironie auf Klosowskis geniale Erfindung hinwies: acht Sony-Walkmen, mit (automatisierbarer) Stummschalt-Mechanik, Effektgeräten und Rhythmusgerät verschaltet – eine Art prä-digitale Sampler-Groovebox mit Mellotron-DNA, mit der Klosowski auftrat. Gagarin-Betreiber Felix Kubin (auf besagter ZickZack-Compilation auch vertreten) fügt mit dieser Sammlung von 13 kompakten Stücken aus den Jahren 1982-84 diesem schmalen Katalog sein eigentliches Herzstück hinzu. Mag sein, dass es an der Auswahl liegt, in jedem Fall ist erstaunlich, wie visionär A.K. Klosowskis Perspektive hier erscheint. Die rhythmisierten Gating-Effekte, die seine Musik unverwechselbar machen, geben der vordergründig plunderphonischen Anlage einen nervös stroboskopisch-kantigen Drive, der ihren Elementen die Geisterhaftigkeit austreibt, das Ohr auf den Klang lenkt. Gerade heute, wo sich jenes an präzises Sequencing und kristallinen Sound gewöhnt hat, wirken diese (live eingespielten) Tracks (es sind eher Tracks als Songs) frisch, und seltsam charmant: sie umschiffen in all ihrer funky Geräuschfülle den für ihr Heimatland damals so symptomatischen Hang zu Groteske, Albernheit, Waldsterben. Wem das On-U-Sound-Universum näher liegt, sollte hier reinhören. Fans von Ekoplekz sowieso, und Fans von anderem auch.