Die Geister, die sie riefen: Im Sommer 2022 lud Micha Acher, Bassist bei The Notwist, Theresa Loibl (Bassklarinette, Klavier), Timm Kornelius (Fagott), Markus Rom (Gitarre, Banjo, Elektronik) und Simon Popp (Schlagzeug, Percussion) zu einer Art musikalischer Séance in sein Wohnzimmer. Die Idee: Stücke neu zu interpretieren, die im verzweigten kreativen Kosmos entstanden sind, der sich um seine Hauptband rankt – etwa bei Nebenprojekten wie dem Jazz-Ensemble Tied & Tickled Trio und dem Indie-Pop-Duo Ms. John Soda. Bei den leicht verspulten Annäherungen handelt es sich jedoch nicht um Coverversionen im engeren Sinne. Eher dienen einzelne Elemente der Originale – ein wiederkehrendes Motiv, eine Melodielinie – als Ausgangspunkt für kammermusikalische Erkundungen.
Eine besondere Stimmung hat das Album nicht zuletzt durch den häufigen Wechsel zwischen Dur und Moll. So auch bei »Radio Four«, dem längsten Stück des Albums. Stoisches Banjo-Geplingel setzt ausschwärmenden Bläsern einen Rahmen und fungiert zugleich als Sprungbrett für Erkundungen. Dynamik und Interaktion zwischen den Musiker:innen werden regelrecht greifbar.
Auch der postrockige Indietronics-Track »N. L.«, der zwischen elektronischen Beats und einer jazzig-cineastischen Atmosphäre oszilliert – erschienen ist er auf dem Notwist-Klassiker Shrink von 1998 –, bekommt als »Nordlead« ein hauntology-haftes Makeover. Weit weg vom verspielten Vibe der Vorlage durchwehen klangliche Erinnerungsfetzen das Stück. Das Resultat klingt melancholisch und tröstlich zugleich.

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