Review

Nucleus

Under The Sun

Be With • 1974

Dankenswerterweise macht das Label Be With nun nach und nach die längst vergriffenen Alben der britischen Fusion-Jazzer Nucleus wieder zugänglich. So auch »Under The Sun«, das wie eine gute Handvoll anderer Nucleus-Werke in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre bei Vertigo erschien. Komponist und Trompeter Ian Carr fungiert auch hier als Bandleader für einige der damals wohl talentiertesten Jazz-Musiker des Königreichs und nach nur wenigen Takten des Openers »In Procession« und dem ersten Bläser-Thema ist man sofort mittendrin im Verschmelzungsprozess von Jazz, Funk und Progrock. Fein aufeinander abgestimmte Arrangements, die genügend Platz für nicht zu ausgedehnte Soli von Bass bis Flöte lassen, und ein ausgezeichnetes Gespür für Dynamiken und Stimmungen zeichnen die acht Stücke von »Under The Sun« aus – dessen Coverfoto wohl zeigen soll, dass zwischen der Sonne und London im Frühling 1974 die schon sprichwörtlichen Regenwolken hingen. Besonders das sanfte, gesetzte »Pastoral Graffiti« und das anschließende Wha-Wha-durchtränkte »New Life« bleiben in Erinnerung, bevor es nach einem kleinen Vorgeschmack (»A Taste Of Sarsaparilla«) auf der B-Seite mit der dreiteiligen Sarsaparilla-Suite auf eine wahre Achterbahnfahrt geht. Obwohl teilweise etwas vorhersag- wie berechenbar, sind die 40 Minuten von »Under The Sun« feinster Fusion-Jazz, die gerade Genre-Neulingen einen leicht verdaulichen Einstieg in nicht nur die Welt von Nucleus bieten.

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Nucleus
Under The Sun
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