Review

Pole

Tempus

Mute • 2023

Schon auf »Fading«, Stefan Betkes letzter Platte, stand die Erinnerung – oder besser gesagt, der Verlust eben jener – im konzeptionellen Zentrum eines Albums, das seinen eigenartigen Dub-Entwurf mit vielen Störgeräuschen auflud. Mit »Tempus« spinnt Pole diesen roten Faden nun fort und verschiebt doch die klanglichen Parameter. Der Sound ist trocken, fast spröde, die Stimmung eher gedämpft – ein Grauschleier zieht sich durch diese sieben Stücke, deren Titel wie so oft in Betkes Werk auf die heimische Flora und Fauna rekurrieren. Das lässt sich zwar wohl alles noch als Dub kategorisieren, doch deutet die verirrte Snare auf »Alp« genauso wie das geloopte Dröhnen von Betkes »sterbenden Minimoog« auf dem Titeltrack an, das auf diesem Album nichts zu einer einzigen Ursuppe aus Reverb und Bass zusammengemischt werden soll. Stattdessen stehen die einzelnen Elemente sonderbar sperrig für sich, fügen sich zwar insgesamt zu Tracks in klassischer Pole-Manier zusammen und scheinen doch jederzeit separat voneinander zu existieren. Eine Cowbell und aus dem Takt laufende Klaviertöne, verschachtelte Rhythmen und eine ihrem eigenen Groove folgende Bassline – wer genau hinhört, findet im Miteinander dieser Versatzstücke Diskrepanzen, die das Gesamtbild erschüttern. Erinnerungen, die von der Widersprüchlichkeit ihrer Details im Gesamten infrage gestellt werden, so gesehen.

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Pole
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