Preoccupations

Preoccupations

Jagjaguwar • 2016

Im Zirkus des Pop wird man lieber ausfallend, als nicht aufzufallen. Lieber zwingt man dem Publikum ein Gefühl auf, als mit ihm zu fühlen. Schwer in diesem Kosmos empathisch zu sein. Eine so feine Geste, in einem Business aus dicken bunten Strichen. Viet Cong hieß die Band, um die es hier geht früher; ein Bandname, der schreit, der lässig ausdrückt: was für euch bedeutsam sein mag, ist es für uns noch lange nicht. Es zeugt von Reife, den Schritt von der Mittelstufen-Provokation zurück zumachen, auf die Menschen zu, die dieser Bandname angegriffen haben mag. Die vier Kanadier standen ohne Bandnamen da, auch gingen jahrelange Beziehungen in die Brüche. Das nennt man dann wohl reality check. Leere auf der einen, die Aufgeladenheit mit Fragen auf der anderen Seite – das sind die Begebenheiten unter denen das selbstbetitelte Album der nun als Preoccupations musizierenden Band entstand. Der Leere begegnet die Band mit Intuition, den Fragen mit Reflexion. »With a sense of urgency and unease/second guessing just about everything«, so schlüssig öffnet dann das Album. Im Vergleich zum Vorgänger ist es weniger furios, es scheint fast als habe konsequenter Post-Punk mit seiner ihm innewohnenden Gleichzeitigkeit von Gefühl und Härte genau den richtigen Halt gegeben: stabil zwar, aber doch zu allen Enden offen. Am negativen Grundton der Lyrics hat sich nichts geändert, aber die Musik windet sich nicht mehr so kurz vor dem Zusammenbruch unter ihnen wie noch früher. Viel mehr scheppert sie wesentlich kohärenter durch das Jammertal, auch mit hängenden Schultern kann man Haltung bewahren. Wie es Haltung bewies, den unsäglichen Bandnamen über Bord zu werfen, so strahlt sie auch das Album aus: eine klare Position in der Krise, getragen vom immer fast gleichgültigen aber eben bleiernen Rhythmus des Post-Punk, wie man ihn so formvollendet schon lange nicht mehr gehört hat.