9 zeigt Priori als Produzenten, der Dub nicht zitiert, sondern ihn ganz selbstverständlich weiterdenkt. Minimalistisch und raumfüllend zugleich verkörpert die Platte in zeitloser und unaufgeregter Manier das im Dub übliche Spiel mit Raum und Modulation. Eine kleine Exkursion durch die bisherigen Veröffentlichungen von Priori macht deutlich, dass der in Montreal ansässige DJ und Produzent nicht davor zurückscheut, in verschiedene musikalische Gefilde einzutauchen – und diese dann auch noch hervorragend klingen lässt. Neben IDM, Breaks, House, Techno und Ambient lässt sich seine neueste Platte für Kynant Records in die Rubrik Dub einordnen.
Als vorweggenommene Kirsche auf der Sahnetorte eröffnet »Nesting Chamber« mit den rauen Vocals von Gavin Blair alias Gavsborg, einem von düsteren Delays und der einnehmenden Stimme Unkle Gs geprägten Stück. Während »Isolation Dub« die Spannung aufrechterhält und grob körnige Akkorde in einer Kuppel aus heller Atmosphäre umherflattern, stellen »9« und »Somewhere Divine« den Kontakt zum Boden und zur Tanzfläche wieder her – druckvolle sowie präzise Basslines, dubbige Percussion und Samples, die an das Geräusch von Hochspannungsanlagen erinnern, schreien förmlich nach einem ausbalancierten Soundsystem, was mit der stetig wachsenden Verbreitung audiophiler Musikanlagen innerhalb der Club- und Festivallandschaft und der damit einhergehenden Rückkehr von Dub kein Problem darstellen sollte. Natürlich erfüllt auch die heimische Abhöre bei einer solch gut klingenden Produktion ihren Zweck.

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