Review

Ric Kaestner

Music For Massage II

Sifted Sand • 2018

Musik für Wartezimmer: Ric Kaestners »Music For Massage II« ist gleichermaßen Klischee wie Großtat. Auf über 18 Songs knetet er New Age, Ambient und japanische Weltmusik zu einem leichten Sound zusammen. Alles instrumental, alles ruhig und bedacht. Mal darf es ein Glockenspiel sein, mal eine Gitarre, mal ein Synthesizer. Aufgenommen im Rhythmus einer Atemübung. Ric Kaestners Werk erschien bereits vor 31 Jahren, bekommt nun eine Neuauflage. Und tatsächlich fällt sein Sound heraus aus dem Kontext der 1980er Jahre. Der spärliche Einsatz von elektronischen Elementen öffnet hier eben keine weiten Räume wie sonst bei Ambient-Alben dieser Zeit. Brian Eno und Harold Budd lassen sich natürlich trotzdem nachweisen, aber eben weniger in den Einflüssen als in den Fußnoten. Ric Kaestner selbst entschleunigte seine Musik überhaupt so dermaßen, dass sie schwebt und nur so in der Luft liegt. Mancher Ton verflüchtigt sich, bevor er überhaupt so richtig angekommen ist. Was zur Person von Ric Kaestner passt, zu der sich so ziemlich gar nichts finden lässt. Nur ein paar Liner Notes für die Neuauflage dieses Albums, die allerdings ebenso wenig Informationen bieten. Um das Aufblühen von »Music For Massage II« direkt nachvollziehen zu können, reicht vermutlich ein Ausschnitt von »Raga«, einem der dichtesten Stücke auf diesem Album. Es schält sich ausnahmsweise eine Melodie heraus, eine wirkliche Struktur, die deutlich greifbar wird. Neun Minuten hält Kaestner diesen Spannungsbogen – ohne große Effekte. Vielmehr beherrscht er selbst hier noch die Leichtigkeit, die Naivität, um solche Musik zu machen, um sie »Music for Massage« zu nennen. Der perfekte Soundtrack zum Warten. Allerdings nicht als Selbstzweck oder Notwendigkeit, sondern als Eskapismus, als Ausbruch, als Verschwinden im Leichten. Das braucht es vielleicht heute dringender denn je.

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