Review

Ryo Fukui

A Letter From Slowboat

We Release Jazz • 2020

Das Piano dürfte das eleganteste aller Instrumente sein – zumindest, wenn es Künstler wie Ryo Fukui spielen. Der japanische Musiker lässt Melodien so charmant und eindringlich über seine Tasten laufen, dass es sich wie das Prasseln des Regens in der Nacht anhört, jeder Ton funkelnd wie das elektrische Licht, das sich im Dunkel in den Tropfen bricht. »A Letter From Slowboat« unterstreicht dies mit seinen hellen Noten, seiner offenen und freundlichen Atmosphäre. »Nobody Knows The Trouble I’ve Seen« wird zum mäandernden Blues, »Stella By Starlight« hingegen zu einem hypnotischen kleinen Wahn. All das ist nicht nostalgisch oder verklärt, stattdessen einfach nur in der Tradition des Jazz der späten 50erjahre des 20. Jahrhunderts. Was auch dazu führte, dass Fukuis Piano als Sample in dem einen oder anderen Mix aus »LoFi Beats To Study To« landete. Doch die Musik sollte nicht als bloße Verwertung dienen, sondern »A Letter From Slowboat« darf als Original durchaus mehr Aufmerksamkeit erfahren. Dass es nun ein Reissue gibt, dürfte zumindest Jazzkenner freuen und vielleicht doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit für Ryo Fukui einbringen. Schließlich gab es bereits die eine oder andere Veröffentlichung dieses Albums in eher mauer Pressung. Die Aufnahme selbst entstand in Fukuis eigenem Jazzclub in Sapporo, den er mit seiner Frau Yasuko betrieb. Veröffentlicht dann 2015. Nur ein Jahr später starb Ryo Fukui mit 67 Jahren. Die Eleganz seines Spiels bleibt jedoch – besonders auf diesem Album zu hören.

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Ryo Fukui
A Letter From Slowboat
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