Nicht nur ist Shabaka Hutchings eine prägende Figur der Londoner Jazzszene, durch zahllose Kollaborationen wurde er auch zu einem der einflussreichsten Musiker Großbritanniens. Dementsprechend verblüfft waren viele seiner Bewunderer, als er sich mit dem Vorgängeralbum Perceive Its Beauty, Acknowledge Its Grace (2024) scheinbar von allem abwandte, wofür man ihn bislang schätzte: Das Album bestand aus flötenbasierten, meditativen Sounds.
Sein Saxofon nahm er nun doch wieder in die Hand. Mit dem neuen Soloalbum, erschienen auf dem gerade gegründeten Label Shabaka Records, integriert er verschiedene Facetten seiner Musikerpersönlichkeit zu einem stimmigen Ganzen; neben dem Tenorsaxofon arbeitet er dabei mit Perkussions- und Holzblasinstrumenten sowie Synthesizern. Das Tanzbare, Wuchtige, das seine ehemaligen Bands Sons of Kemet und The Comet Is Coming ausmachte, blitzt in den Stücken durchaus durch, etwa im treibenden, munter verstolperten Track »Marva Mountain«, in dem sich gleich mehrere Bläserstimmen aneinander reiben.
Und doch atmen die oft eher skizzenhaft angelegten Stücke auf andere Weise als bislang. Ebenfalls neu: Einige Stücke enthalten Spoken-Word-Momente und Rap-Passagen, etwa der Track »Go Astray«, der seinen Drive nicht nur durch Shabakas sonore Stimme, sondern auch durch experimentelle Beat-Klöppeleien bekommt. Of the Earth, das Shabaka komplett selbst einspielte und produzierte, ist zeitgenössischer Spiritual Jazz – und etwas sehr Eigenes.

Of The Earth Black Vinyl Edition
