Shlohmo

Dark Red

True Panther • 2015

Vielleicht hat Shlohmo im letzten Jahr eingesehen, dass das Shlohmo-Album des Jahres nicht von Shlohmo kommen würde. Sondern von einem japanischen Typen namens SELA., der still und heimlich mit einer Compilation auf flau das gesamte Vokabular der post-steppigen Chillwave-Ära ausbuchstabierte. Vielleicht ist Shlohmo darüber traurig geworden und hat aus Trotz ein ganz anderes Shlohmo-Album gemacht. Eines, das so sumpfig in Melancholie versackt wie eine verfilterte Boards Of Canada-Reminiszenz Eines, das manchmal wie Evian Christ kreischt, nicht aber so hart basst. Das eben wie eine Depression wirkt, dich drucklos und bewegungsunfähig hinterlässt. Weil es leider selbst ein bisschen drucklos ist, so beweglich es sich auch gestaltet. Dabei hat der leidende junge Laufer so viel in sein Zweitwerk gesteckt: Drum’n’Bass-Wumms, IDM-Frickeleien und Gniedelgitarren, die wohl irgendwie hart sein, an Electric Wizard und andere vollverkiffte Metalheads erinnern sollen, meistens aber nach einem zerknisterten The Cure-Bootleg aus deren (rein musikalisch gesprochen) unglücklicheren Phasen klingen. Das Problem von »Dark Red« ist nicht unbedingt der Mangel an Ideen, Stimmungen oder Tricks und Kniffen. Nein, es ist der überfordernde, kitschelnde Überfluss davon. Zwischen einem Wunsch und seiner Erfüllung kann viel stehen. Auf »Dark Red« ist es ein viel zu großes Verlangen nach immer und immer mehr. Das danach: Weg vom Shlohmo-Sound zu kommen, wo andere doch jetzt Shlohmo-Alben machen. Mehr Ausdruck, mehr Gefühl zuzulassen. Härter und düsterer zu sein, vielleicht wie nebenbei ein paar Tode und Krankheiten therapieren. Das ist Laufer vielleicht gelungen, es ihm darüber jedoch ein Album misslungen. Was an sich schon ein bisschen traurig ist.

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Shlohmo
Dark Red
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